Samstag, 30. April 2022

Walpurgisnacht Last Minute

Nach zwei langen Jahren ist es endlich wieder so weit: Die Hexen versammeln sich zum Flug in die Walpurgisnacht!




 

Die Wurzeln der Walpurgisfeier liegen weit in vorchristlicher Zeit und gehen auf germanische Ursprünge zurück. Diese „Ureinwohner“ des Harzes sollen an diesem Tag ein mit diversen Opfern einhergehendes Frühlingsfest als Freude über das Ende des Winters sowie die Hochzeit des obersten Germanengottes Wotan gefeiert haben. Dabei wurden auch böse Geister vertrieben, was durch Verkleidungen mit Masken und Feuer geschehen sollte. Unklar ist allerdings, ob die Altvorderen diese Rituale auch auf dem Brocken – dem legendären Zentrum der Walpurgishandlungen – abhielten. Im Rahmen der Christianisierung vor etwas mehr als 1.000 Jahren wurden Namen und Inhalt dieses heidnischen Spektakels der neuen Zeit angepasst.

 

Hier mal ein paar Ausflugstipps auf die Schnelle!




Walpurgis in Bad Grund: Nach zwei Jahren Pause steigt am 29. und 30. April endlich wieder eine der traditionsreichsten Walpurgisfeiern im Harz: In Bad Grund sind unter anderem die beliebte Kinderwalpurgis (Samstag 15 Uhr) auf dem Marktplatz sowie das Open-Air-Theater „Der Wilddieb vom Violenberg“ (21.30 Uhr) am Hübichenstein geplant. Außerdem gibt es ganz viel Live-Musik an beiden Abenden. Details und Hintergründe in unserem Artikel.

Walpurgis in Bad Lauterberg: Die Walpurgis-Nacht im Kurpark beginnt am 30. April um 18 Uhr. Mystische Theatereinlagen sorgen zwischendurch für Unterhaltung. Außerdem gibt es an dem Abend ein großes Laser-Feuerwerk. Und die Coverband „Second Pitcher“ spielt. Für Kinder gibt es magische Angebote. Es wird Eintritt erhoben, „Hexen“ und „Teufel“ können kostenfrei teilnehmen.

Walpurgis in Bad Sachsa: Bei der Märchen-Walpurgis in Bad Sachsa trifft Märchenwelt auf Teufelsbrut. Denn am 30. April ab 15 Uhr verwandelt sich der Vitalpark in einen „Kessel der Fabelwesen“. Geplant ist ein großes Kinderprogramm und um 19.30 Uhr startet der ausgelassene Partyabend mit Live-Musik. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt. Details in unserem Artikel.

Walpurgis in Goslar: In Goslar verwandelt sich der Marktplatz am 30. April ab 13 Uhr in einen mystischen Hexenwald. Bei freiem Eintritt wird zu Live-Musik teuflisch gut gefeiert. Passende Accessoires für Hexen und Teufel können gekauft werden.

Walpurgis in Hahnenklee: In Hahnenklee-Bockswiese im Oberharz legen die Macher besonderen Wert auf eine traditionell ausgerichtete Veranstaltung. Der Kurpark erstrahlt im Lichterglanz, skurrile Gestalten tummeln sich und über der atemberaubenden Kulisse des Kranicher Teiches erstrahlt ein prächtiges Höhenfeuerwerk. Noch gibt es Karten für das Fest.

Walpurgis in Halberstadt: Auf der Festwiese Wehrstedter Hof gibt es ab 18 Uhr bei freiem Eintritt ein Walpurgisfeuer mit anschließendem Tanz in den Mai.

Walpurgis in St. Andreasberg: Am 29. April um 18.30 Uhr werden bei der „Hexenlicht“-Erlebniswanderung die geheimen Wege der Bergstadt erkundet. Und um 20 Uhr lädt das Nationalparkhaus in Andreasberg dann zur Sagen- und Mythenwanderung ein. Beide Wanderungen sind kostenpflichtig. Am 30. April startet um 13 Uhr die Walpurgis für Kids im Kurpark und um 15 sowie 23 Uhr gibt es zwei thematische Theaterstücke.

Walpurgis in Thale: Ab 29. April steigt in Thale die wohl größte Walpurgisveranstaltung im Harz. Die Veranstalter versprechen ein Walpurgis-Spektakel: In der Innenstadt sind ein Walpurgismarkt und ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm geplant. Und im Kurpark gibt es einen Mittelalter- und Kreativmarkt. Los geht’s am Freitag um 15 Uhr. Der Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz muss wegen Bauarbeiten abgesagt werden.

Walpurgis in Schierke: Auch bei der Original-Walpurgis in Schierke am Brocken treiben die Hexen und Teufel wieder ihr Unwesen. Angekündigt sind ereignisreiche Tage voller Mystik und mittelalterlicher Klänge: Es gibt einen Mittelalter-Erlebnismarkt und Musik bekannter Bands aus der Folk­szene. Start ist am Freitagabend, am 30. April dann ab 11 Uhr. Am Samstagabend sind ein Walpurgisfeuer, eine Partybühne und zum Abschluss eine Pyro- und Lasershow geplant. Tickets unter anderem bei Reservix.

Walpurgis in Wernigerode: Das Rathaus in Wernigerode erstürmen die Hexen und Teufel am 30. April ab 13.30 Uhr. Eine tolle Gelegenheit für Fotos und Selfies.




Walpurgis in Altenau: Das Altenauer Kurgastzentrum wird am 30. April zum Hexenkessel: 17 Uhr Kinderprogramm mit Umzug und Hexenbesenführerschein, ab 20 Uhr dann Musik und Tanz bei der zünftigen Walpurgisparty mit der Mittelalterband „Schabernack“ und ab Mitternacht dem Auftritt des Oberteufels mit der berühmten Teufelsansprache und der Maikönigin, anschließend: Begrüßungsfeuerwerk.

Walpurgis in Hohegeiß: Am letzten Tag des Aprils sind auch im schönen Bergdorf Hohegeiß die (kleinen) Hexen und Teufel los. Mädchen und Jungen treffen sich um 13 Uhr an der Tourist-Info zum Schminken. Um 16 Uhr startet dann der große Umzug durch den Ort und zum Schützenplatz.

Walpurgis in Herrmannsacker: Bei der Kinderwalpurgis auf der Ebersburg können die kleinen Gäste am 30. April ab 14 Uhr „Zauberstockbrot“ backen und dazu einen Zaubertrank genießen. Daneben gibt es Bratwurst, Kuchen und Kaffee für den guten Zweck. Außerdem werden Geschichten vorgelesen und ein Kostümwettbewerb ist auch geplant.

Walpurgis in Oberharz am Brocken: Ebenfalls am 30. April erwartet die kleinen Hexen und Zauberer ein „verhextes Highlight“ in der Baumannshöhle: die Hexenlesung im Goethesaal. Zusätzlich gibt es von 14 bis 16 Uhr im Foyer eine Mal- und Bastelstraße, eine Hexenbesen-Werkstatt sowie eine Button-Produktion. Tickets unter www.harzer-hoehlen.de.

(Quelle: https://www.harzkurier.de/)

 

Für alle, die zu Hause bleiben müssen gibt es hier eine spannende Geschichte für heute Nacht.




Die schwarze Katze

Um schwarze Katzen ranken sich unzählige unheimliche Geschichten. Aberglauben, meinen Sie? Nun, die kleine Stadt, deren Namen ich nicht nennen möchte, wimmelt geradezu von abergläubischen Menschen.

Jochens Augen waren voller Furcht, als er zu dem Haus am Ende der Straße hinübersah. Noch niemals war er dem alten Gemäuer so nahe gekommen.

„Hier wohnt sie also, die Hexe“, wisperte er seinem Freund Ralf zu. Der nickte.

 „Sie hat eine schwarze Katze, und nachts tanzt sie um das Feuer.“

„Dort sollen sogar schon Kinder verschwunden sein“, flüsterte Ralf zurück.

 „Woher wisst ihr das?“ Mark blickte seine Freunde argwöhnisch an. „Das sind doch Ammenmärchen!“

„Pst“, zischte Jochen verärgert. „Du bist fremd und weißt gar nichts. Willst du, dass sie uns hört und herauskommt?“

Es stimmte, Mark war erst vor wenigen Tagen aus Berlin hergezogen. Dank der Schule hatte er schnell Anschluss gefunden, wenn er auch die Leute im Ort ein wenig seltsam fand. Vor allem diese Geschichte mit der angeblichen Hexe war ihm mehr als suspekt.

„Wollen wir nicht lieber Fußball spielen? Bis zum Abendbrot ist noch etwas Zeit,“ lenkte er ab. Johlend entfernten sich die Zehnjährigen in die entgegengesetzte Richtung.

 „Ich hole den Ball!“, schrie Ralf. Für den Augenblick war das alte Haus mit seiner unheimlichen Bewohnerin vergessen.

„Ihr wart doch nicht dort oben bei der Alten, oder?“, wurde Jochen von seinem Vater am Tisch empfangen.

„Nein, ganz bestimmt nicht, Papa“, versicherte der eine Spur zu schnell. Stirnrunzelnd schaute Herr Jansen seinen Sprössling an.

„Du weißt, dass es gefährlich ist. Damals ist dort ein Junge verschwunden. Also haltet euch fern.“

„Aber Heinrich, das ist doch nie aufgeklärt worden …“, warf seine Frau zaghaft ein.

„Martha, es gehen seltsame Dinge vor sich. Neulich erst ist mir dieses schwarze Katzenvieh direkt vor die Füße gelaufen. Es kam von links! Kurz darauf hatte ich einen platten Reifen. Am nächsten Morgen habe ich mich mit dem Kaffee verbrüht und mir dabei den neuen Anzug ruiniert.“

„Und das alles wegen der Katze“, schmunzelte Martha. Heinrichs Faust donnerte auf den Tisch.

„Ich verbiete euch, dort hinzugehen! Basta!“

„Ich bin morgen bei Frau Wummer zum Kaffee eingeladen“, lenkte seine Frau ab.

„Oh cool, das ist doch die Mutter von Mark!“, rief Jochen begeistert. Wohlwollend schaute Heinrich über seinen Brillenrand.

„Das scheint eine sehr nette Familie zu sein. Soweit ich weiß hat Mark noch ein kleines Schwesterchen. Dann mal viel Spaß da!“

 

Bei Wummers waren noch andere Frauen aus der Nachbarschaft eingeladen, unter ihnen auch Ilona, Ralfs Mutter, mit der Martha seit langem eng befreundet war.

„Hazel, du wohnst ja hier recht hübsch, aber mir wäre es doch zu nah am Hexenhaus. Pass nur gut auf dein Töchterchen auf!“, sagte sie gerade. Die gebürtige Engländerin lachte und gab der kleinen Jenny noch einen Schokokeks.

„Eine echte Hexe, oh wie interessant! Möchte noch einer Kaffee?“ Unbekümmert reichte sie die Kanne herum und brachte das Gespräch schnell wieder in andere Bahnen. Es ging um Schule, Erziehung, Kochrezepte und diverse andere Themen.

„Ach Jenny, du hast dich ja eingesaut, du kleines Ferkel!“

Niemand hatte auf das blonde Lockenköpfchen geachtet. Nicht nur im Gesicht sondern auch auf dem geblümten Kleid und der Tischdecke hatten Sahnetorte und Schokokekse deutliche Spuren hinterlassen.

„Mutti, das macht doch nix, das waschen wir wieder.“ Zärtlich fuhren die Schokohände der Vierjährigen durch das Haar ihrer Mutter. Unter Gelächter und mit guten Ratschlägen fand der Kaffeeklatsch seinen Abschluss.

 

Zur gleichen Zeit beschlossen die drei Jungs, die Hexe mal aus dem Haus zu locken, da Mark sie unbedingt sehen wollte.

„Sicher ist sie alt und hässlich. Mit einer dicken Warze auf der Nase“, kicherte Ralf.

„Ja, und mit einem schwarzen Umhang und einem Zauberstab“, ergänzte Jochen.

„Quatsch, sie ist doch nicht Gandalf, der Magier“, lachte Mark.

„Wirst schon sehen! Aber wie machen wir das jetzt?“

„Wir müssen dichter ran und werfen dann Steine gegen ihr Fenster!“

„Ich habe eine Zwille dabei!“ Auf Zehenspitzen schlichen sie sich im Schutz der Bäume an. Da öffnete sich die Tür. Vor Schreck stolperten die drei Freunde übereinander und küselten über den Boden.

„Mensch, die ist ja gar nicht alt und …“

„Komm endlich!“ Ralf und Mark hatten bereits das Weite gesucht. Jochen rappelte sich auf und sah direkt in die Augen der Hexe.

Er war wie erstarrt, obwohl er doch eigentlich davonlaufen sollte.

„Hast du dir wehgetan?“ Die Hexe half ihm vorsichtig auf. Eine sanfte Stimme, smaragdgrüne Augen und kurzes dunkles Haar. Sie war jung und hübsch. Jochen sah sie zweifelnd an, als könne sie sich doch noch in eine alte Frau oder etwas anderes verwandeln.

„Komm mit, ich möchte dein Knie drinnen verarzten. Hab keine Angst, ich werde nicht plötzlich eine andere Gestalt annehmen.“

Ihr Lachen war glockenhell. Konnte sie etwa Gedanken lesen? Erst jetzt sah der Junge, dass sein Knie stark blutete. Mit gemischten Gefühlen folgte er der Hexe in ihr Haus.




„Was machen wir denn jetzt? Er geht tatsächlich mit der mit!“ Verzweifelt sah Ralf seinen neuen Freund an. Mark zuckte ratlos mit den Schultern. Auch ihm saß der Schrecken noch in allen Gliedern.

„Wir warten, bis er wieder raus kommt.“

„WENN er wieder rauskommt.“ Verzagt ließ sein Kumpel den Kopf hängen.

 

Inzwischen hatte die Hexe drinnen Jochens Knie verarztet.

„Was ist das für eine Salbe?“, erkundigte der sich argwöhnisch.

„Krötenfett, Schneckenschleim und noch ein paar geheime Zutaten, die ich dir leider nicht verraten kann.“ Sie beugte sich dicht an sein Ohr und flüsterte: „Berufsgeheimnis.“

„Bist du eine … eine …“

„Eine Hexe? Finde es selbst heraus!“ Prüfend wanderte sein Blick durch die Küche, die eigentlich ganz normal aussah. Naja, bis auf den großen altmodischen Kessel über der Feuerstelle, die vielen Kräuter, die überall zum Trocknen hingen und ein Regal mit seltsamen Flaschen und Behältern. Aber weder Hexenbesen noch Zauberstab konnte er entdecken. Die junge Frau war ganz normal gekleidet: Jeans und weißes Shirt.

„Übrigens heiße ich Laura.“ Wieder ertönte ihr helles Lachen. Der unfreiwillige Gast merkte, dass er rot anlief.

„Ich bin Jochen“, stotterte er.

„Klar!“ Die grünen Augen blitzten. „Möchtest du einen Kakao oder einen Tee?“ Er glaubte fast, ein Schnurren in ihrer Stimme zu hören.

„Wo ist deine Katze?“

„Welche Katze? Ach so, die. Na sie kommt und geht, keine Ahnung, wo sie grad ist. Also, doch lieber Kakao?“ Lauernd sah sie ihn an. Sie sieht selbst aus wie eine Katze, dachte der Junge.

„Danke, aber ich muss los. Meine Freunde warten auf mich.“

Laura nickte.

 „Vielleicht nächstes Mal. Bring doch Ralf und Mark einfach mit.“

Nichts wie raus hier! Woher wusste die die Namen seiner Freunde? Und schon rannte er los.

Draußen war die Erleichterung groß.

„Mensch, du lebst!“

„Erzähl mal!“

„Wie sieht es bei der aus?“

„Du hast hoffentlich nichts gegessen!“ Und Jochen erzählte - natürlich nur das Gute. Laura war wunderschön und hatte sein Knie verarztet, ihm dann auch etwas zu trinken angeboten. Nein, einen Zauberstab hatte sie wohl nicht, auch keinen Hexenbesen. Aber nächstes Mal sollte er seine Freunde mitbringen.

„Ja klar, dann hat sie uns alle drei auf einen Streich“, sagte Ralf.

„Ist sie denn nun eine Hexe?“, erkundigte sich Mark.

„Woher soll ich das wissen?“ Jochen zuckte die Schultern.

„Wenn deine Wunde morgen verheilt ist, dann hat sie Hexenkräfte“, entschied Ralf.

„Genau! Wir dürfen zu Hause aber nicht erzählen, wo wir waren!“, warnte Jochen.

Auf dem Weg kreuzte die schwarze Katze ihren Weg. Sie machte einen Buckel und fauchte. Jochen nahm einen Stein auf und warf ihn nach dem Tier.

„Ich glaube, du hast sie getroffen“, meinte Ralf zufrieden.

„Hoffentlich nicht. Wie könnt ihr nur so gemein sein?“ Der eigentlich weichherzige und tierliebe Mark wunderte sich einmal mehr über das Verhalten seiner Kameraden.

 

Am nächsten Morgen war Jochens Knie vollkommen in Ordnung, nicht einmal Schorf hatte sich gebildet.

„Also ist Laura doch eine Hexe“, murmelte er. Nach der Schule beratschlagten sie eifrig.

„Wir müssen sie von hier vertreiben!“

„Sollen wir nicht erst nochmal am Haus vorbeischauen?“ Mark war trotz aller Beweise unsicher. Das konnte nicht verkehrt sein, also stimmten alle zu. Allerdings war wie immer Vorsicht geboten. Im Vorgarten sahen sie Laura beim Himbeeren pflücken - sie humpelte leicht. Jochen zog die anderen zur Seite und erzählte von seinem Verdacht:

„Auf ihrem Grundstück und im Haus ist sie ein Mensch und draußen auf der Straße eine Katze. Seht selbst, gestern habe ich sie mit dem Stein verletzt, und heute humpelt sie.“

Mark sah ihn noch immer zweifelnd an. „Sollen wir das nicht lieber erst unseren Eltern erzählen?“

Jochen schüttelte den Kopf.

„Dann bekommen wir tierischen Ärger. Wir dürfen ja nicht mal in die Nähe des Hexenhauses. Nein! Das erledigen wir selbst!“

Nun wurde ein Schlachtplan entworfen.

Und am nächsten Morgen schwänzten die drei Helden die Schule, um ihr finsteres Vorhaben in die Tat umzusetzen. Diesmal kamen sie von hinten um das Haus herum und kletterten über den Holzzaun. Jochens Hände zitterten leicht, als er die mitgebrachte Stoffbluse, die in einer Dose steckte, anzündete - er verbrauchte drei Streichhölzer dafür - und durch ein offenstehendes Fenster in ein Zimmer an der Rückseite des Hauses warf. Synthetik fängt bekanntlich schnell Feuer, und schreiend wälzte sich der Junge kurz darauf am Boden. Er hatte sich die Hand verbrannt. Doch auch die Gardinen standen inzwischen lichterloh in Flammen. Plötzlich wurden Stimmen laut. Die Jungen standen unschlüssig herum. Sollten sie ihren Kameraden einfach wieder einmal zurücklassen? Dann ging alles ganz schnell. Wasser spritzte durch das Fenster, und noch schwelende, leicht verkohlte Vorhänge flogen in den Garten.

Eine Frauenstimme überschlug sich:

„Was ist denn hier los?!“

Eine schwarze Katze zischte miauend an ihnen vorbei über den Zaun, und ein kleines Mädchen rannte jauchzend mit ausgebreiteten Armen auf Mark zu.

„Jenny!“

„Drinnen ist ein Feuer, das riecht so gut! Aber ich musste raus!“, berichtete sie mit glänzenden Augen.

„Mark! Was tut ihr denn hier?“ Streng klang die Stimme seiner Mutter. Nun füllte sich der Garten langsam mit Frauen.

„Ralf, habt ihr etwas mit dem Feuer zu tun?“ Drohend kam Ilona auf ihn zu. Martha beugte sich über Jochen und rief um Hilfe. Jetzt erschien auch Laura, die die Flammen endgültig gelöscht hatte. Zum Glück hatte Merlin, der Kater, den Brand sofort bemerkt und sie darauf aufmerksam gemacht. So konnte größerer Schaden verhindert werden.

„Aber, wir wollten doch nur …“, stammelte Ralf hilflos. Während Laura ein Pulver auf Jochens Brandblasen gab, erstatteten die anderen kleinlaut Bericht.

„Wie könnt ihr nur so dumm sein und so unverantwortlich handeln?!“, fragte Ilona kopfschüttelnd. „Wir hätten alle verbrennen können!“

„Ganz unschuldig seid ihr ja nicht“, stellte Hazel fest. „Was erzählt ihr euren Kindern auch solche Geschichten - von wegen Hexe und so!“ Beschämt senkten die Nachbarinnen den Blick.

„Aber wir konnten doch nicht wissen, dass ihr … wieso seid ihr eigentlich alle hier?“, fragte Mark kleinlaut.

„Von dir hätte ich eigentlich mehr Herz und Verstand erwartet, Mark, ich bin sehr enttäuscht“, sagte seine Mutter ernst. „Laura hat uns alle zu Kaffee und Kuchen eingeladen, damit endlich diese blöden Gerüchte aufhören. Und dann kommt ihr daher und fackelt ihr beinahe das Haus über dem Kopf ab! Solltet ihr nicht stattdessen in der Schule sein und lernen?“

„Tja, Jochen, hoffen wir, dass die Hand ebenso schnell wie dein Knie heilt“, schmunzelte Laura und setzte nur für ihn hörbar hinzu:

„Wäre es die linke gewesen, mit der du das Feuer gelegt hast, so würde ich gewiss für ein lebenslanges Andenken sorgen. So aber - na, wir werden sehen …“

Dem Jungen lief ein Schauder über den Rücken. Woher wusste die Hexe, dass er Linkshänder war? Es war und blieb rätselhaft und unheimlich. Am Ende waren sich alle im Ort einig, dass Laura doch eine wunderbare Nachbarin war, der man großes Unrecht getan hatte - alle bis auf Jochen, der da so seine Zweifel hatte.

(Aus dem Buch UNHEIMLICHE GESCHICHTEN)

Taschenbuch

https://www.amazon.de/gp/product/1093338334/ref=dbs_a_def_rwt_hsch_vapi_taft_p1_i4

E-Book

https://www.amazon.de/Unheimliche-Geschichten-Christine-Erdic-ebook/dp/B07QH1P9M3/ref=sr_1_3?crid=1WHYONKUAHBAR&keywords=christine+erdi%C3%A7&qid=1651309063&s=digital-text&sprefix=christine+erdi%C3%A7%2Cdigital-text%2C142&sr=1-3


 

 ©byChristine Erdic


Mittwoch, 23. März 2022

Tolle Ausflugstipps zu Ostern

 Ostern ist ja gar nicht mehr so lange hin! 




Da ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, ob man das Fest besinnlich zu Hause zelebrieren oder doch zumindest einen Kurzausflug machen möchte. Hier mal ein paar tolle Tipps für Familien mit Kindern!

 


Ostern Seemarkt Herrsching 2022

Der Markt findet vor traumhafter Kulisse an der Herrschinger Seepromenade unter dem Motto: Kunst  Garten  und Genuss, statt. Über 90 Künstler, Kunsthandwerker und Aussteller bieten modernes und traditionelles, außergewöhnliches und edles Kunsthandwerk an. Großes Ostereiersuchen für die ganze Familie findet am Ostersonntag statt -  wer zuerst kommt, findet auch zuerst!




Außerdem wird eine Kindereisenbahn die Herzen der Kinder höher schlagen lassen!  Dabei runden ein besonderes kulinarisches Angebot mit bayerischen und internationalen Schmankerln und bayerische Bierspezialitäten  das abwechslungsreiche künstlerische und kunsthandwerkliche Angebot ab.
Der Eintritt ist frei.

Mehr Infos unter

Quelle: https://www.kids-ontour.de/ausflugsziele-kinder-familie_12197_Ostern+Seemarkt+Herrsching+2022.html




Serengeti-Park-Osteraktion 2022

Spaß, tierische Abenteuer und spannende Attraktionen kostenlos: 2022 lädt der Serengeti-Park alle Kinder am Ostersonntag zum kostenlosen Besuch ein - wenn sie ein Ei an der Kasse vorzeigen.




Alle Kinder bis 12 Jahre, die am Ostersonntag (17. April 2022) im Serengeti-Park Hodenhagen an der Kasse ein Ei vorzeigen, erhalten freien Eintritt. Unter dem Motto „Eintritt frei mit Osterei“ veranstaltet der Tier- und Erlebnispark schon seit über 20 Jahren einen Aktionstag am Ostersonntag. Dabei ist es egal, ob das vorgezeigte Ei ein Hühnerei, ein Deko-Ei oder ein Schokoladen-Ei ist – der freie Eintritt ist garantiert.

Infos und Quelle: https://www.parkerlebnis.de/serengeti-park-ostern-2022-eintritt-frei_58526.html

 

Mittelalterlicher Ringelrein beim Osterfest in Düppel

Im Freiluftmuseum, dem Museumsdorf in Düppel wird Ostern auch mittelalterlich gefeiert, wenn auch beschaulicher und familiärer. Auf dem mittelalterlichen Dorfplatz werden Reigen getanzt und alte Weisen gesungen, in den Scheunen können Familien gemeinsam um die Osterfeiertage herum Eier bemalen und sich in einen fröhlichen Ostertrubel stürzen. Am Lagerfeuer kann man sich dann mit einem Bratwürstchen stärken und dem bunten Treiben zusehen.




Aber auch sonst ist die Freianlage in Berlin Zehlendorf einen Ausflug mit der Familie wert. Bei einem Spaziergang durch den Ortskern wird die Zeit vor rund 800 Jahren lebendig: Hütten, Schmiede und Bäckerei können besichtigt werden. Es gibt viele Stationen zum Anfassen und Mitmachen. Mitarbeiter des Museumsdorfes laufen in Kutten herum und zeigen, wie das mit dem Korbflechten, Schmieden und Brotbacken im Mittelalter funktioniert hat. Wir haben uns besonders über die alten Schafrassen und puscheligen Wollschweine gefreut.




Infos und Quelle: https://www.dueppel.de/veranstaltungen/

 

Buntes, lautes, wildes, lustiges Ostern im FEZ

Gerade bei schlechterem Wetter ist das FEZ in Berlin-Köpenick ein echter Geheimtipp zu Ostern. Berlins schönstes Freizeitzentrum bietet Familien mit Kindern viel Interessantes über die Osterfeiertage: zum Beispiel einen Hasenflug ins Weltall im FEZ-eigenen Raumfahrtzentrum Orbital. Oder einen Theaterworkshop zur Hasenschule im Hasentheater. Ein Kino, in dem sich zu Ostern natürlich alles rund ums Ei dreht. Hasenspiele, Hasenwettrennen, Eierpuzzle – die Mitarbeiter des FEZ legen sich an Ostern immer besonders ins Zeug, um ihre jungen Gäste zu bespaßen. Wer das nicht mag, tobt sich in der Tobescheune aus, macht beim Pfannkuchenrennen mit oder vergnügt sich einfach nur auf dem Spielplatz. Oder läuft beim Osterspaziergang mit und freut sich über das anschließende Osterfeuer.




Infos und Quelle: https://fez-berlin.de/

 

Zusätzlich freut sich ihr Kind sicherlich noch über ein schönes Buch im Osterkörbchen. Bücher sind haltbarer und gesünder als bunte Schokoeier und Zuckerwerk.




Wer ansonsten nichts plant sollte dies unbedingt ins Auge  fassen, denn hier gibt es nicht nur Lesespaß sondern auch tolle Backrezepte und Bastelideen für ein Kobold- oder Osterdorf aus liegenden Ostereiern mit Pappdächern, einen Osterhasen aus Socken und noch vieles mehr!



Ostern mit Nepomuck und Finn




Hast Du Lust, das Osterfest mit Nepomuck und Finn zu feiern?
Der Kobold macht sich auf den Weg, um seine Mäusefreunde zu besuchen. Natürlich geht es dabei turbulent zu, und alle Nepomuck-Finn-Fans kommen wieder voll auf ihre Kosten!
Neben einer spannenden Geschichte warten diesmal unter anderem tolle Basteltipps auf Dich!

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3750407725




Leseprobe aus dem Buch

Rache ist süß

Vor der Scheune ruft Finn alle zu sich. „Was im Haus neben dem Färben der Eier passiert ist, bleibt unter uns. Die Frauen müssen nicht alles wissen. Sonst lassen sie uns nie wieder fort. Ist das klar?“

„Und wie klar das ist“, antwortet Nepomuck. „Können wir uns auf euch verlassen, Kinder?“

„Aber sicher.“

„Also dann wollen wir mal!“

„Da sind wir wieder!“, ruft Finn freudestrahlend.

Susi und Lilly kommen sofort angelaufen. „Hat alles geklappt?“, wollen sie wissen.

„Na sicher. Es waren doch Profis am Werk.“

„Ihr seht aber sehr müde aus. Ich denke. ein Nickerchen tut euch allen gut.“ Das lassen sie sich nicht zweimal sagen. Nepomuck verstaut die Eier nur noch in einer Holzkiste, die er draußen gefunden hat, und dann fallen auch ihm die Augen zu.

Bis zum Nachmittag bleibt es mucksmäuschenstill in der Scheune. Man hört nur hier und da ein leises Schnarchen.

Luis ist der Erste, der wach wird. Er zieht Nepomuck am Ohr. „Aufstehen. Wir müssen die Eier doch noch fertig machen.“

„Wie - fertig machen?“, fragt der Kobold schläfrig.

„Du hast doch gesagt, wir malen noch etwas drauf.“

„Ja, stimmt. Dann weck mal die anderen.“

„Aufstehen!“, brüllt er durch die Scheune. „Die Eier warten!“ Das Geschrei verfehlt seine Wirkung nicht. Nach und nach kommen alle schlaftrunken an.

„Wie, die Eier warten?“, will Amanda wissen. „Was meinst du?“

„Habt ihr es denn vergessen? Nepomuck hat doch gesagt, wir dürfen auf die Eier noch Motive pinseln.“

„Stimmt ja, aber womit?“ Fragend schaut sie den Kobold an.

„Ich habe im Haus des Bauern Wasserfarbe und Pinsel gefunden. Die habe ich mir ausgeliehen.“

„Ausgeliehen“, empört sich Susi. „Das ist Stehlen.“

„Nein. Ich bringe sie ja wieder zurück. Das fällt überhaupt nicht auf.“

„Dürfen wir dann jetzt malen?“

„Also gut. Setzt euch mal alle da hinten hin. Dann bringe ich euch die Eier und Farbe.“

Voller Erwartung schauen die Mäusekinder ihren Freund an.

„So, hier sind ein paar Töpfchen mit Wasser. Da die Pinsel für euch zu groß waren, habe ich die Haare herausgezogen und an kleinen Ästen befestigt. Damit müsste es gehen. Nun müsst ihr sie nur noch ins Wasser tunken, dann in die Farbe und lospinseln. Ich gehe mal zu euren Eltern. Viel Spaß!“

Und schon legen die Kinder los. Sie sind nicht zu bremsen, schnell sind Sterne, Blumen und Punkte auf die Eier gezeichnet.

„Mein Ei sieht aber viel schöner aus als deins“, neckt Lukas seine Schwester Luise.

„Stimmt ja gar nicht!“ Und noch bevor er weiß, was geschieht, bespritzt sie ihn mit Wasser.

Das lässt er sich natürlich nicht gefallen und macht auch sie nass. Und schon ist eine wilde Wasserschlacht im Gang, denn auch die anderen Kinder lassen es sich nicht nehmen, mit Wasser herumzuspritzen.

Bei dem ganzen Durcheinander merkt keiner, dass Willi und Fridolin sich entfernen. Als sie zurück kommen, haben beide Strohhalme bei sich.

Luise fällt es als erste auf, und sie fragt interessiert nach, was sie damit vorhaben.

„Das ist eine Überraschung für Luis“, verkünden sie.

„Eine Überraschung für mich? Das ist aber toll! Was ist es denn?“

„Das verraten wir dir, wenn du zu uns kommst. Wir wollen es nicht so laut sagen, damit es die anderen nicht mitbekommen.“

Etwas skeptisch schaut Luis die Zwei an, aber dann siegt die Neugierde. Und ehe er sich versieht, wird er überwältigt und gefesselt. Und damit er nicht schreien kann, bindet Willi ihm auch noch vorsichtig das Schnäuzchen zu.

Luis begreift gar nicht, was los ist. Dann verkündet Fridolin laut: „Leute, hier haben wir ein besonders schönes Ei! Das müssen wir auch noch bemalen!“

Diese Einladung lassen sich die anderen Kinder natürlich nicht entgehen. Und schon machen sich auf Luis Fell rote, blaue und grüne Tupfer breit. In diesem Moment taucht Nepomuck mit Finn im Schlepptau auf. „Was macht ihr denn da?“, will er wissen.

Alle zucken zusammen. „Ja – ähm, also wir dachten, Luis sieht mit Farbe besser aus. Du musst zugeben, das Bunte unterstreicht sein Aussehen noch mehr“, feixt Willi.

Und noch bevor der Mäusejunge sich versieht, greift Nepomuck ihn und drückt ihn mit dem Popo in die lila Farbe. „Na, wie gefällt dir das? Also ich finde, Lila steht dir außerordentlich gut.“ Ein schallendes Gelächter ist zu hören.

In der Zwischenzeit hat Finn seinen Sohn befreit und schaut Willi böse an.

Reumütig sagt der: „Tut mir leid, Luis. Ich konnte einfach nicht anders. Die Verlockung war zu groß. Bitte nicht böse sein.“ Er hat noch nicht ganz ausgesprochen, da fliegt ein Wasserbecher auf ihn zu. Bevor Willi sich versieht, ist er platschnass.

Luis hält sich den Bauch vor Lachen. „Ja, lieber Bruder, ich konnte auch nicht anders! Hab dich aber trotzdem lieb!“

Überrascht schaut Willi ihn an und stimmt dann in das Lachen ein.

Finn schaut seine Söhne belustigt an. „Na, das wird bestimmt ein besonders buntes Osterfest. Wenn es jetzt schon so farbenfroh ist!“

https://www.amazon.de/gp/product/375040772X/ref=dbs_a_def_rwt_hsch_vapi_taft_p1_i7




 

©byChristine Erdic

 

Sonntag, 20. Februar 2022

Ein Ausflug in die Backstube

 Was macht man am besten bei schlechtem Wetter? Richtig:  Ein schönes Buch lesen oder backen! Noch lässt der Frühling auf sich warten das macht aber nichts, denn hier kommt eine zündende Idee!

 


Backen für Kinder in der Kuchentratsch-Backstube

Mit Omi backen macht doch am meisten Spaß. Da kann man mal vom Teig naschen, darf sein Backkkunstwerk so verzieren, wie man es am liebsten mag und bekommt nebenbei mit ganz viel Geduld und Kinderliebe noch ein paar Tipps zum Backen erklärt.




 Unsere Omas sind nicht nur erfahrene Bäckerinnen, sondern auch kinderliebe Großeltern, die sich freuen, wenn die nächste Generation von jungen BäckerInnen unsere Backstube stürmt. Sie haben sich für die Kleinen extra einfache Rezepte wie Kekse und Muffins ausgedacht, bei denen man sich mit der Deko wild austoben kann.
Unser Kinderbackkurs mit den Kuchentratsch-Omas ist ein einmaliges Erlebnis für alle 7 bis 12 Jährigen und nicht nur eine schöne Idee als Kindergeburtstags-Event.




Die kleinen Köstlichkeiten, die ihr zusammen backt, dürfen alle Junioren dann ganz nach ihrem Geschmack mit unserer Dekoauswahl verzieren. Schokolade und Glitzer oder doch lieber eine bunte Blütendeko? - das entscheidest du alleine.



Das wichtigste beim Backen mit Oma Anna? Es soll Spaß machen! Deshalb gehört probieren, selbst rühren dürfen und seine Backkunstwerke selbst verzieren bei unserem Backkurs mit dazu.

Außerdem stellen wir eine kleine Brotzeit und Getränke zur Stärkung bereit
Am Ende bekommst du dein Werk mit nach Hause und kannst es deiner Familie und Freunden schenken oder lieber selber verputzen. :)

Alle weiteren Infos zum Kinderbackkurs in München finden Sie hier:

Quellennachweis https://www.kuchentratsch.com/products/kinderbackkurs

 

Wer keine Möglichkeit hat, einen solchen Workshop zu besuchen, der kann natürlich auch zu Hause tolle Sachen kreieren. Wie, das erfahrt ihr hier:

 


Nepomucks und Finns Backstube 

Willkommen in Nepomucks und Finns Backstube. Liebt Ihr Kekse und Plätzchen genauso wie Nepomuck und Finn? Und könnt Ihr nicht genug davon bekommen, wenn durch das Haus oder die Wohnung der herrliche Geruch von frischem Gebäck zieht? Mmmh da läuft einem doch gleich das Wasser im Mund zusammen. Wenn das bei Euch auch so ist, ist dieses Buch genau das richtige. Hier findet Ihr Rezepte für die ganze Familie, für Geburtstage, Feiern oder einfach nur, um Euch selbst zu verwöhnen. Naschereien schmecken schließlich immer. Nepomuck und Finn wünschen viel Spaß beim Nachbacken und Guten Appetit!

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3754373583

 


Rezept aus dem Buch

Blumen-Plätzchen

 


Zutaten:

250 g Mehl

150 g Butter

1 Ei

1 Päckchen Vanillezucker

150 g Puderzucker

1 Handvoll essbare Blüten

 

Zubereitung:

Alle Zutaten (außer Blüten und Puderzucker) miteinander zu einem Teig verrühren. Den Teig in Folie wickeln und 15 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Teig mit einem Nudelholz ausrollen und nach Belieben mit Backformen ausstechen. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben.

Im vorgeheizten Backofen bei 170 Grad ca. 15 Minuten backen. Die Backzeit kann je nach Ofentyp etwas variieren.

Nach dem Auskühlen die Plätzchen leicht mit Wasser anfeuchten und mit Blüten und Puderzucker verzieren.

 

Leseprobe aus dem Buch

 Nepomuck bäckt

 Nepomuck hat sich eine Schürze umgebunden und steht auf einem Hocker vor dem Küchentisch. Die Wangen des kleinen Kobolds glühen vor Eifer. Mutter hat ihm erlaubt, beim Kekse backen zu helfen.

„Nicht den Teig vorher schon essen, Nepomuck!”, sagt sie und droht ihm scherzhaft mit dem Finger. Der Kobold wischt verstohlen seine Finger an der Schürze ab, er kann das Naschen einfach nicht lassen, der rohe Teig schmeckt viel zu gut.

Draußen regnet es Bindfäden, aber im Koboldhäuschen ist es warm und gemütlich. Nepomuck knetet eine Masse aus Mehl, Zucker und Butter und pfeift dabei fröhlich vor sich hin. Das ist noch nicht süß genug! Er greift nach der Zuckertüte und oh weh! Die Tüte kippt und der schöne Zucker ist nun über den ganzen Boden verstreut. Mutter ist gerade mit dem Backofen beschäftigt und hat nichts mitbekommen. Das ist eine günstige Gelegenheit, der kleine Mann greift schnell nach Feger und Kehrblech, um sein Missgeschick zu vertuschen.

„Nepomuck! Du willst das doch wohl nicht in die Schüssel zurückkippen!” Nepo zuckt zusammen und zieht den Kopf zwischen die Schultern. Kopfschüttelnd schaut Mutter ihn an.

„Wenn du nicht besser aufpasst, kann ich dich hier nicht gebrauchen’”, sagt sie und nimmt ihrem Sohn das Kehrblech aus der Hand. Zerknirscht sieht er zu, wie der nicht mehr ganz weiße Zucker im Müll verschwindet und gelobt, sich zu bessern.

Der Mäuserich Finn beobachtet alles ganz genau von seinem sicheren Platz hinter der Mehltüte aus. Mutter muss nicht wissen, dass er heimlich mithilft, obwohl sie eigentlich immer sehr nett zu ihm ist. Aber er hat ja auch einen weiten Weg auf sich genommen, um seinen Koboldfreund hier im hohen Norden zu besuchen.




Mit seinen kleinen Backformen sticht Nepomuck die schönsten Plätzchen aus, und schon bald ist das Blech gefüllt. Mutter ist zufrieden und schiebt es in den Backofen.



„Während das jetzt bäckt, kannst du noch etwas von dem übrigen Teig mit Zimt und geraspelten Mandeln verkneten”, schlägt sie vor. Nepomuck macht vor Freude einen Luftsprung. Im Regal stehen die Behälter mit den verschiedenen Gewürzen. Er holt sich einen Stuhl um heranzureichen und zieht eine rote Dose heraus. Nun noch die Mandeln.

Die sind bereits geraspelt, und frohgemut macht sich Nepomuck ans Werk. Die ersten Plätzchen sind schon fertig, Mutter zieht sie aus dem Backofen. Nepomuck knetet und trällert ein Lied vor sich hin. Plötzlich muss er heftig niesen.

„Gesundheit!“, ruft Mutter und lacht. Aber Nepomuck niest und niest, es will gar nicht mehr enden.

„Ich knete die Plätzchen für dich fertig“, sagt Mutter. Nach einer Weile beginnt auch sie zu niesen.

„Das ist ja seltsam.“ Sie runzelt die Stirn und probiert von dem Teig. „Bah, was hast du da reingetan?“, ruft sie und verzieht das Gesicht. Sie greift nach der Dose.

„Pfeffer! Oh Nepomuck! Du solltest doch Zimt reintun!“ Der kleine Kobold sieht sie so verzweifelt an, dass ihre Wut schnell verraucht. Ja, sie muss jetzt sogar lachen, und bald stimmt auch Nepomuck mit ein.

Nun kommen all die kleinen Geschwister angelaufen, die bisher in ihrer Ecke gespielt haben. Neugierig fragen sie, was denn geschehen ist. Mutter wischt sich vor Lachen die Tränen aus dem Gesicht. Sie schnappt nach Luft und Nepomuck verkündet stolz:

„Ich backe leckere Pfefferkekse! Wer möchte mal probieren?“ Aber niemand meldet sich.

„Da musst du nun wohl neue Kekse kneten.“ Mutter stellt die braune Zimtdose auf den Tisch und Nepomuck sieht mit Bedauern zu, wie die schönen Pfefferkekse in den Müll wandern. Irgendwie versteht er nicht, warum man die nicht essen kann, Pfefferkuchen schmeckt doch auch.

Zu den Zimt- und Mandelkeksen kommen noch Ingwerkekse hinzu und Nepomuck kommt mit immer neuen Vorschlägen.

„Für heute ist es genug“, sagt Mutter schließlich und schiebt das letzte Blech in den Backofen. Jetzt merkt Nepomuck erst, wie kaputt er ist. Aber die Küche muss auch noch aufgeräumt werden und dabei verbrennen fast die Ingwerkekse. Es ist Finn, der es noch rechtzeitig bemerkt, und darauf ist der Mäuserich richtig stolz.

Natürlich müssen alle erst von den Keksen probieren und dann stellen sie einstimmig fest, dass sie diesmal besonders lecker geworden sind. Der kleine Bäcker strahlt über das ganze Gesicht, und Mutter fährt ihm anerkennend mit der Hand durch sein widerborstiges schwarzes Haar. Finn bekommt natürlich auch einen Keks und tanzt vor Freude auf dem Tisch. Als Nepomuck und Finn später im Bett liegen, stellen sie fest, dass das doch ein schöner Tag war und schlafen zufrieden ein. Natürlich träumen sie von vielen bunten Keksen und schmatzen dabei leise vor sich hin.




©byChristine Erdic

Freitag, 28. Januar 2022

Tolle Ausflugsziele rund um Izmir

Die türkische Ägäisküste ist, abgesehen von Reisezielen wie Bodrum, Kuşadası und Marmaris, in Deutschland weitaus weniger bekannt als die türkische Mittelmeerküste, die schon lange eine Hochburg des internationalen Tourismus ist.





Wer jedoch einen individuellen Urlaub abseits der All-Inklusive-Hotels bevorzugt, der ist an der nördlichen Ägäis genau richtig.

Die 4 Millionenmetropole Izmir lockt mit ihrem bunten Basar Kemeraltı, und modernen Einkaufszentren. Hier verbinden sich Geschichte, Tradition und Moderne. Freundlichen, aufgeschlossenen und hilfsbereiten Menschen begegnet man überall. Die Perle der Ägäis bietet ein orientalisches Flair mit lockerem und tolerantem Lebensstil. Mit seiner 8500 Jahre alten Geschichte ist sie eine der ältesten noch bewohnten Städte der Welt.







Was man sich nicht entgehen lassen sollte:

- Den Uhrturm im Stadtzentrum Konak, der zugleich Wahrzeichen der Metropole ist, und der Stadt Izmir im Jahr 1901 von Abdülhamid II., anlässlich des 25. Jahrestags seiner Krönung, gestiftet wurde. Übrigens ist die Turmuhr ein Geschenk des deutschen Kaiser Wilhelm II.


    



- Einen Bummel über den Basar Kemeraltı. Hier befindet sich ein wahres Einkaufsparadies für Kleidung, Schmuck, Gold, Souvenirs und Hausrat aller Art. Dönerbuden, kleine Fischrestaurants mit schmackhaftem Calamari und Stände mit frisch gepresstem Saft sorgen für das leibliche Wohl. Empfehlenswert sind auch die mit Reis gefüllten Muscheln, die in den hinteren Gassen Richtung Karawanserei angeboten werden.




- In der Kızlarağası Hanı-Karawanserei fühlt man sich in osmanische Zeiten zurückversetzt. Im Jahre 1744 erbaut, beherbergt sie heute kleine Läden mit allerlei Kunsthandwerk, Lederwaren, Souvenirs, Silberschmuck und Teppichen.





Im oberen Stockwerk befinden sich kleine Werkstätten. In der Mitte lädt ein großer Platz zum Verweilen ein. Wie wäre es mit einem çay -türkischen Tee, einem kahve – türkischen Mokka oder einer leckeren hausgemachten Limonade? Wer einen Cappuccino oder Kaffee Latte bevorzugt, ist in einer Seitengasse gut aufgehoben, wo sich im orientalischen Stil ein Café an das andere reiht.

- Asonsör – Hıstorischer Aufzug. Der im Jahre 1907 erbaute historische Aufzug verbindet die Straße Mithatpaşa Caddesi und das Viertel Halil Rifat Paşa miteinander. Vom Restaurant aus hat man einen unvergleichlichen Blick über Izmir und die Bucht. Die Häuser in der Dario Moreno-Straße verleihen dem Viertel ein besonderes Flair.

- Eine Schifffahrt von Konak quer über die Bucht von Izmir nach Karşiyaka oder Bostanlı.





- Einkaufen und Rasten in Mavibahçe. Dieses Einkaufszentrum ist eines der größten in Izmir und besticht mit einem liebevoll angelegten Innenpark, der von kleinen Restaurants gesäumt ist.





- Die Agora

In der Antike fanden hier politische Versammlungen statt und das Volk tätigte seine Einkäufe. Die Agora von Izmir, die aus der Zeit der Römer stammt, gilt als die größte Agora.



Ephesus

Einst war sie eine große und reiche Handelsstadt, heute lassen nur noch die Ruinen ihre ehemalige Größe erahnen. Gut eine Autostunde von Izmir entfernt und nahe Selçuk liegt die antike Stadt Ephesus. Der Artemistempel gehörte zu den Sieben Weltwundern. Ephesus ist eine der am besten erhaltenen Siedlungen der Antike. Sehenswert sind vor allem das Große Theater, die Marienkirche, die Celsus-Bibliothek, die Hanghäuser, der Hadriantempel und das Odeion, ein antikes Theatergebäude. Ein Touristenmagnet sind die vielen Katzen, die in den Ruinen der einst so mächtigen Stadt leben. Diese wurden von Ausgrabungsteams dorthin gebracht, damit sie das Gelände vor kleineren Nagetieren beschützen! Im Archäologischen Museum in Selçuk kann man unter anderem Statuen der Artemis bewundern.

 



 


Meryem Ana – Das Haus der Mutter Maria

Das Haus der Mutter Maria in der Nähe von Selçuk ist eine der meistbesuchten Pilgerstätten der Türkei, sowohl für Christen als auch Moslems.

Hier soll Maria, die Mutter von Jesus, bis zu ihrem Tod gelebt haben. Das kleine Haus aus Stein ist heute eine liebevoll geschmückte Kapelle, die sogar schon von drei Päpsten beehrt wurde.

Dem Quellwasser aus den Brunnen neben dem Haus sagt man eine große Heilwirkung nach.

Eine in der Türkei weit verbreitete Tradition ist es, seine Wünsche auf ein Band, Tuch oder Papier zu schreiben und an Bäumen oder Wänden zu befestigen. So sieht man auch hier eine bunt geschmückte Wand, die eigens für diesen Zweck eingerichtet wurde.




Weindorf Şirince

Hoch in den Bergen über Selçuk liegt das alte Weindorf Şirince. Einst war es griechisch, die alten Häuser sind noch erhalten bzw. werden liebevoll restauriert. Ein Weinladen reiht sich hier an den anderen, dazwischen urige kleine Restaurants und Souvenirshops. Wir machen unsere Weinprobe stets bei Mustafa, er bietet nebst köstlichem Granatapfel-, Pfirsich- und Brombeerwein auch einen hervorragenden Glühwein an.


 




Çeşme

Çeşme bedeutet Brunnen, und tatsächlich fallen die vielen Brunnen ins Auge. Der kleine Luft- und Badekurort, ca 80 Kilometer westlich von Izmir, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die nahegelegenen feinen, fast weißen Sandstrände Pırlanta, Altınkum und Ilıca geben dem Badegast eine Art Karibik-Feeling. In Ilıca und Şifne schießen bis zu 60 Grad warme Thermalwasserquellen direkt aus dem Meeresboden in das glasklare türkisfarbene Wasser.




Das ganze Jahr über kommen Rheumapatienten, Menschen mit Stoffwechsel- und Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Asthmakranke nach Çeşme. Eine Kombination aus Thermal-, Thalasso-, Luft- und Schlammtherapien bietet gute Heilchancen. Solche Therapien gibt es u.a. in den Hotels Altınyunus, Sheraton Resort & Spa, Radisson SAS Resort & Spa Cesme und im Club Hotel Ilica.




Eine stetige kühle Brise sorgt auch in den heißen Monaten für Abkühlung. Windgeschützt liegt dagegen der kleine Stadtstrand Tekke. Wer hier badet kann gegen 17 Uhr die mit Musik in den Hafen einfahrenden Ausflugsschiffe beobachten.

Auf jeden Fall sollte man die alte Burg von Çeşme, die aus genuesischer Zeit stammt, besichtigen. Von hier hat man einen großartigen Panorama-Blick über die Stadt und auf die Bucht, Die nahegelegene ehemalige Karawanserei aus dem 16. Jahrhundert ist heute ein stilvolles Hotel. Der Jachthafen Marina bietet dem Urlauber exklusive kulinarische Genüsse. Wer es günstiger und preiswerter mag, der besucht eines der Fischrestaurants an der Uferpromenade oder speist in der kleinen Einkaufsstraße. Hier findet man auch landestypische Souvenirs.

 



Alaçatı

Alaçatı gilt aufgrund der günstigen Windverhältnisse als internationales Surfer-Paradies.

Das ehemals griechische Dorf mit seinen stilvollen Butik-Hotels ist heute überteuert aber durchaus sehenswert. Auch die neuen Häuser im Ortskern werden im traditionellen Alaçatı-Baustil errichtet Der einst so beschauliche Ort erfreut sich ganzjährig eines gewaltigen Besucherbooms an aus- und inländischen Touristen. Er ist auch Anziehungspunkt für Intellektuelle, Künstler, Geschäftsleute und Filmschauspieler. Man sollte aber trotz erhöhter Preise zumindest einmal einen Kaffee im Köşe Kahve oder einen türkischen Tee auf einem der schattigen Hinterhöfe getrunken haben.







Richtige Schnäppchen kann man übrigens samstags auf dem großen Kleidermarkt von Alaçatı machen. Und der angegliederte Obst- und Gemüsemarkt ist einfach überwältigend mit seinem breitgefächerten Angebot. Im April findet das alljährliche ot festival, das Kräuterfest statt. Hier wird alles Mögliche an Essbarem angeboten bis hin zu selbstgemachter Marmelade aus Obst oder Gemüse. Natürlich gibt es ein abwechslungsreiches Programm zur Unterhaltung. An diesen 3 Tagen schiebt sich eine bunte Menschenmasse durch die engen Gassen.





Foça

Wer es ruhiger und besinnlicher mag, der ist in Foça richtig. Der kleine, malerische Fischerort liegt 60 km nördlich von Izmir und 50 km von Bergama - Pergamon entfernt. Mit seinem kleinen Jachthafen, der Strandpromenade mit den kleinen Restaurants und seiner genuesischen Burg zieht er vor allem auch einheimische Touristen an. Die Gassen mit ihren typischen Häusern aus Sandsteinquadern und roten Dächern stehen inzwischen unter Denkmalschutz. Kleine Buchten mit klarem kühlem Wasser laden zum Baden ein. Mit Ausflugsschiffen geht es hinaus, um die vom Aussterben bedrohten Mittelmeerrobben – fok zu beobachten. Eine Robbe ist übrigens auch das Wappentier von Foça.





Pamukkale

Pamukkale (türkisch für Baumwollschloß oder auch Watteschlößchen) ist eine Ortschaft, 20 km nördlich von Denizli. Pamukkale erhielt seinen Namen durch die Kalksinterterrassen, die über Jahrtausende durch kalkhaltige Thermalquellen entstanden sind und heute eine Touristenattraktion darstellen.
Die Terrassen stehen auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

(Quelle: http://www.reiseinfo-tuerkei.de/)






Buchtipp

Endstation Anatolien

Auswandern? Mit fast vierzig Jahren und zwei schulpflichtigen Töchtern? Und noch dazu in den Orient? Christine Erdic hat es gewagt! Das Morgenland lockt mit bunten Basaren, leuchtenden Farben, einem unvergleichlich blauen Himmel und geheimnisvollen mondbeschienenen Nächten. Doch wie ist das wirkliche Leben hinter dem Schleier der Illusionen? Ein Buch, das das Leben schrieb!

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3752897111

Auch als E-Book erhältlich!

 


Leseprobe aus dem Buch

Badevergnügen und andere Sommerfreuden

Während der zwei Jahre unseres Türkeiaufenthaltes kamen meine Eltern jeden Sommer für gut drei Wochen zu Besuch. Pünktlich zu Güldis Geburtstag am 1. September trudelten sie ein, und wir holten sie mit Schwiegervaters Auto vom Flughafen ab. Im September gab es eine große Auswahl an Obst auf dem Markt, und es war nicht mehr so heiß wie im Hochsommer. Ein hiesiges Sprichwort sagt: Die erste Hälfte des August ist Sommer, die zweite Winter. Tatsächlich begann es Mitte August bereits abzukühlen. Doch auch im September konnte das Thermometer durchaus noch über 30 Grad klettern. Im Sommer versucht daher jeder, der die Möglichkeit hat, ans Meer oder aufs Land zu entfliehen, um der Hitze der Stadt zu entkommen. Die dreimonatigen Sommerferien begünstigen das, und oftmals verbringen weibliche Izmiraner, Istanbuler und auch Frauen aus Ankara diese Zeit mit ihren Kindern im yazlık – Sommerhaus, das meist an der Ägäisküste oder der südlichen Mittelmeerküste liegt. Die Ehemänner aus Izmir pendeln dann zwischen Arbeitsplatz und Ferienhaus hin und her. Meist bilden sie Fahrgemeinschaften zu diesem Zweck oder besuchen ihre Familien nur am Wochenende. Mein Schwiegervater besaß ein altes Dorfhaus in der Nähe von Çeşme. Einige seiner Verwandten wohnen noch in diesem Dorf, in dem auch er geboren wurde.

Wir fuhren auch mit meinen Eltern dort hin. Der Chef meines Mannes stellte uns sein Auto für diese Zeit gerne zur Verfügung. Morgens nach dem gemütlichen Frühstück brachen wir mit Güldi, meinen Eltern, Schwiegermutter, Schwager und Schwägerin meist so gegen 11 Uhr zum Ilıca-Strand auf, der damals noch fast menschenleer war. Mein Schwiegervater kam nie mit, er pflanzte lieber Auberginen, Paprika, Bohnen und Tomaten in dem riesigen Garten an und kümmerte sich liebevoll darum. Oft saßen wir abends auf dem Hof und pulten frisch geerntete bakla – dicke Bohnen aus.

Wir hatten immer jede Menge Futter im Gepäck, wenn wir ans Meer fuhren: Würstchen, dolma - gefüllte Paprika, gekochte Eier und Ost. Mit einem kleinen Grill bereiteten wir in einer mitgebrachten Pfanne Bratkartoffeln zu. Das bleiben unvergessliche Zeiten, denn heute ist so etwas bei den leider oft überfüllten Stränden undenkbar. Ja, auch die Türken haben die Badefreuden inzwischen entdeckt! Güldi hatte Sandspielzeug dabei und hielt ihr Mittagsschläfchen stets unter einem Sonnenschirm am feinen weißsandigen Strand. Hier machte sie ihre ersten Schritte und plantschte vergnügt im flachen Thermalwasser. In Ilca sprudeln heiße Quellen direkt aus dem Meeresboden und speisen inzwischen auch das Wasser einiger Hotels. Da meist ein recht frischer Wind von Norden in die Bucht bläst, unterschätzt man nur zu gerne die Kraft der Sonne und holt sich innerhalb kurzer Zeit einen schmerzhaften Sonnenbrand. Oftmals sehen wir Touristen, deren Körperfarbe sich dem Rot der türkischen Flagge langsam annähert.

Die Fahrt zum Dorf zurück dauerte nur etwa zehn Minuten, dennoch war es um 16 Uhr höchste Zeit aufzubrechen. Bis wir alle der Reihe nach geduscht hatten war es Abend. Das Duschwasser wurde von einem mit Holz beheiztem Ofen im Badezimmer erhitzt. Es gab extra einen Schuppen, in dem für diesen Zweck haufenweise trockenes Holz lagerte. Zuerst duschte Schwiegermutter, da sie für das Kochen des Abendessens zuständig war. Es gab stets verschiedene Gerichte zur Auswahl: eines in Olivenöl zubereitet, eines mit Fleisch, Reis oder Nudeln und dazu Salat. Oft wurden auch auf dem von meinem Mann gebauten Barbecue-Grill draußen unter den Weinreben Fleisch oder köfte - kleine Frikadellen gegrillt. Nicht selten saßen wir in dicke Jacken oder Decken gehüllt am Tisch, denn das Dorf ist mit seinem frischen Waldklima wesentlich kälter als die Stadt. Meine Eltern hielten sich deshalb als Mitteleuropäer sehr gerne hier auf. Einziges Handicap war das Stehklo, dessen Abwasser direkt in eine Kalkgrube unter dem Grundstück geleitet wurde. Später überredeten wir Schwiegervater, doch endlich eine Sitztoilette einzubauen. Das Dorf hatte schon seit geraumer Zeit Wasser- und Stromanschluss, so ging leider niemand mehr hinauf zu den alten ungesicherten Brunnen, die der Dorfbevölkerung einst köstliches Wasser spendeten.





©byChristine Erdic