Freitag, 24. Juni 2022

Zu Besuch im Obscurum Thale

Der malerische Ort Thale im Harz hat allerhand zu bieten: Tierpark,  Hexentanzplatz und Rosstrappe sowie ein auf dem Kopf stehendes Hexenhaus (ich berichtete zuvor).







Aber kennen Sie auch das Museum der Hexerei und der dunklen Mächte? Wahrlich düster war das Mittelalter … doch auch mystisch. Lassen Sie sich verführen.

 




Museum der Hexerei und der dunklen Mächte.

Was heute noch in Märchen, Sagen und Gruselgeschichten überliefert ist, betrachtete man vor einigen Jahrhunderten als Realität. Dieses faszinierende und einzigarte Museum führt Sie in eine Zeit zurück, in der Zauberei und das „Böse“ überall lauerte. Im Glauben der Menschen waren Hexen, Vampire, Werwölfe, Geister und andere Kreaturen der Nacht Bedrohungen, welche Tod und Verderben brachten.
Finden Sie heraus, wozu man eine Hexenwaage, Drudensteine oder die Leber eines Einhorns brauchte. Wie schützten sich die einfachen Leute vor den wiederkehrenden Toten, die ganze Dörfer auslöschten? Woran erkannte man eine Hexe?



Entdecken Sie Schicksale und Namen hinter den Ausstellungsgegenständen. Wie wurde z.B. die Bestie von Gévaudan erlegt, was hatte es mit den Hexen von Salem auf sich, weshalb mauerte man Katzen unter der Türschwelle ein und wozu benötigte man eine Hexenflasche oder die Hand eines Gehenkten? Was steckt hinter Spuk-Erscheinungen und wie wollte Giovanni Aldini, der „Frankenstein von Bologna“ Tote zum Leben erwecken?
Mit unzähligen Exponaten und deren Geschichte auf über 400qm Fläche – vom „Vampir von Venedig“, Flugsalben und Krötensteinen über das Grauen der Hexenprozesse bis hin zu Abwehrzaubern gegen den bösen Blick, Rezepturen für den Liebeszauber und der wahren Geschichte der „Zombies“ finden Sie in dieser einzigartigen Ausstellung vieles, was ungläubiger Staunen aber auch Fassungslosigkeit über das Wesen des  Menschen vermittelt.


In den Monaten  April - Oktober ist das Museum von 10:00 -12:00 Uhr & 13:00 - 17:00 Uhr geöffnet.

(Quelle und weitere Infos: https://www.bodetal.de/poi/obscurum-thale-1/)




 

Buchtipp:

Neuerscheinung: Der Schrei der Elster

Brandneu auf dem Büchermarkt ist der spannende Mittelalterroman „Der Schrei der Elster“.

Jetzt auch als Print!

978-3753416397




 Buchbeschreibung:

Man schreibt das Jahr 1632, und die Pest wütet in Europa. Während die Menschen in den Ballungszentren der großen Städte dahinsiechen, suchen Regierung, Kirche und Gesellschaft nach Schuldigen. Jeder, der sich von der Masse unterscheidet, gerät schnell in Verdacht und somit in Gefahr, auf dem Scheiterhaufen zu landen. Sogenannte Hexenprozesse zwingen unschuldige Menschen unter unerträglicher Folter, falsche Geständnisse abzulegen. Betroffen sind in erster Linie jene Frauen, deren einziges Vergehen darin besteht, sich mit Kräutern und Heilsalben auszukennen oder die Zukunft vorhersehen zu can. Es ist das Zeitalter der Inquisition, die über Jahrhunderte hinweg über ihre blutigen Opfer fordern soll.

Die Heilerin Brunhilde gerät in den Verdacht der Hexerei und muss mit ihrer Tochter Maria aus der Stadt fliehen. Beim fahrenden Volk finden sie Unterschlupf, doch schon bald sollen sich Marias Albträume auf grauenhafte Weise erfüllen.

https://www.amazon.de/-/en/Christine-Erdic/dp/3753416398/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=&sr=

 

Leseprobe aus dem Buch

Brunhilde wusste, dass es gefährlich war. Die kleine Behausung lag am Rande der Stadt, und vorsichtshalber hatte sie die Fenster verdunkelt, um das Flackern der vier weißen Kerzen zu verbergen. Eine Kerze für jede Himmelsrichtung. Die etwa dreißigjährige Frau war mit einem weißen Gewand bekleidet und trug ihr langes dunkles Haar offen. Langsam erhob sie die Arme und sagte mit leiser anklagender Stimme: „Oh Hel, schau, was mit deinen Töchtern geschieht. Deine Wiege wird ihnen zum Grab und dein Weg ein glühender Pfad voller Schmerzen. Ich flehe dich an, im Namen Freyas, erhöre meine Bitte, und gib mir eine Antwort.“

Die Kerzen flackerten stärker, und durch die undichte Tür wehte ein kalter Wind. Das kleine Mädchen neben ihr hielt eine Schale mit Wasser hoch über den Kopf und fröstelte in ihrem dünnen Kleid aus grobem Leinenstoff. Das Haar reichte ihr bis an die Hüften und hatte fast den gleichen Farbton wie das naturfarbene Leinenkleid. Eine Sache, die in den Augen der Nachbarn seltsam war. Wie kam die Frau mit den dunklen Locken zu einem so hellhäutigen und blonden Kind?

Maria war alles, was ihr geblieben war, nachdem ihr Mann vor zwei Jahren von der Pest dahingerafft wurde. Irgendwie schaffte es Brunhilde, sich und die Kleine durch Gelegenheitsarbeiten durchzubringen. Das Herstellen ihrer Heilsalben aus Kräuterextrakten war inzwischen zu einer gefährlichen Angelegenheit geworden, und sie verkaufte nur noch an Stammkunden. Doch selbst da konnte man sich nicht sicher sein, und lieber verzichtete sie bei einer zahlungsunfähigen Abnehmerin auf das Geld, als sich diese zum Feind zu machen.

„Mama, es klopft!“ Brunhilde wurde aus ihren Gedanken gerissen und blies geschwind die Kerzen aus. Maria wartete, bis ihre Mutter alles in einer großen Holztruhe verstaut hatte und ging dann langsam zur Tür. „Wieso verdunkelt Ihr denn so früh? Ich dachte schon, es sei niemand daheim.“ Eine gebeugte alte Frau kam herein, und Brunhilde atmete erleichtert auf.

„Wartet Mutter Brehm, ich zünde nur ein Licht an“, sagte sie und lächelte freundlich. „Was kann ich für Euch tun?“

Die alte Frau litt seit langem an heftigen Rückenschmerzen, und Brunhilde hatte da genau die richtige Salbe.

„Ich komme, um Euch zu warnen.“ Das hutzelige Mütterchen hob sorgenvoll den Kopf und schaute der Jüngeren in die Augen.

„Man ist nicht gut auf Euch zu sprechen im Ort. Manch einer behauptet gar, Ihr steht mit dem Teufel im Bunde.“

„Ihr wisst, dass dem nicht so ist. Ich versuche nur, den Menschen zu helfen und ihnen die Schmerzen zu nehmen. Ansonsten verrichte ich mein Tagwerk wie jeder andere hier auch. Ich besuche regelmäßig die Gottesdienste und lasse mir nichts zu Schulden kommen“, erwiderte Brunhilde mit ruhiger Stimme.

„Ja mein Kind, ich weiß. Wenn ich es nicht wüsste, käme ich nicht hierher, um Euch zu warnen. Ihr solltet die Stadt gleich morgen in der Früh verlassen. Sie richten schon neue Scheiterhaufen außerhalb der Stadtmauern. Gestern hat die Erna aus der Gruberstraße gestanden und unter der Folter Euren Namen genannt …“

„Habt Dank Mutter Brehm. So werden wir denn die Stadt verlassen müssen, unser kleines Haus und das Wenige, was wir besitzen. Es geht auch um das Leben meiner Tochter, nicht nur um meines. Was soll aus ihr werden, wenn sie mich in den Kerker werfen?“ Schützend legte Brunhilde den Arm um die Schultern des kleinen Mädchens, dessen Augen vor Schreck weit geöffnet waren.

Nachdem Mutter Brehm mit einem Tiegel Kräutersalbe die Hütte verlassen hatte, machten sich Brunhilde und Maria ans Packen. Viel war es nicht, was sie mitnehmen konnten, nur das Nötigste, verpackt in Leinenbeutel. Auch die große Truhe musste zurückbleiben, nachdem ihr die wichtigsten Utensilien entnommen worden waren.

Mit einem letzten Blick in den armseligen Raum, der ihnen dennoch so viele Jahre Heimat gewesen war, schlossen Mutter und Tochter im Morgengrauen die Tür hinter sich. Ein neuer Weg lag vor ihnen, niemand wusste, wohin er führen und wie er enden würde: Ihre Flucht hatte begonnen.

Die Stadttore, die nachts aus Sicherheitsgründen verschlossen wurden, waren bereits geöffnet, und die Land- und Feldarbeiter konnten ebenso passieren wie die Grubenarbeiter und die Händler mit ihren Karren. Brunhilde und Maria mischten sich unter das bunte Volk und gingen ungehindert an den Torwachen vorbei. Die kontrollierten eher jene, die in die Stadt hineinkamen. Beide atmeten auf, als sie die Stadtmauern hinter sich gelassen hatten, aber auch jetzt galt es, vorsichtig zu sein.

Der Vogel hatte seine Schwingen ausgebreitet und schwebte mehr als dass er flog. Schwarz wie Lack und weiß wie Schnee glänzte sein Gefieder in der Morgensonne.

„Tschiriiiiiiiiiiik“, klang es fast zärtlich. Maria streckte die Hand aus, und die Elster landete geschickt auf ihrer Schulter.

„Da bist du ja, Elsa“, sagte sie erfreut. Der Vogel legte seinen Kopf zur Seite und betrachtete Maria aufmerksam mit seinen schwarzen Augen. „Wo hast du nur gesteckt? Ich habe schon befürchtet, du würdest uns nicht wiederfinden!“

Ihre Mutter lächelte nachsichtig.

„Elsa würde uns überall finden. So hat Hel meine Bitte erhört und uns durch ihren Boten erneut ein Zeichen ihrer Verbundenheit und ihres Schutzes gegeben.“

„Ist Elsa ein Bote Hels?“ Maria war etwas verwundert, denn seit der Vogel vor ein paar Monaten entkräftet vor der Tür gelegen und sie ihn aufgepäppelt hatte, war er handzahm geworden und kehrte immer wieder zu dem kleinen Haus am Stadtrand zurück.

„Elstern gelten als Götterboten, aber sie verkünden auch Unheil und Tod, sagt man. Hel selbst wird von Elstern begleitet und ist auch bekannt als germanische Göttin des Todes und der Unterwelt.“

Das war unheimlich, und das Kind schauderte. Es schaute zweifelnd auf Elsa, die sich mit ihrem scharfen Schnabel an einem Knopf auf seinem Umhang zu schaffen machte.

Plötzlich gab der Vogel ein warnendes ,Schäck schäck’ von sich und erhob sich in die Luft.

„Da kommt jemand.“ Brunhilde trat hastig hinter eine Gruppe dichter Büsche und zog Maria mit sich. „Psssssssssst…“

Nach einer ganzen Weile hörten auch sie den Hufschlag: Ein paar Reiter passierten auf ihren Pferden den unbefestigten Weg und hüllten die Landschaft in eine dichte Wolke aus Sand und Staub. Erst als es wieder ruhig war, kehrte Elsa zurück.

„Wo sollen wir nun hingehen?“ Mutter und Tochter sahen sich ratlos an. „Wir haben weder Besitz noch Verwandte in der Nähe. Es sei denn, wir schließen uns dem fahrenden Volk an, ich bin ja bei ihnen aufgewachsen. Wenn ich nur wüsste, wo sie jetzt sind’’, überlegte Brunhilde halblaut. Ihre Herkunft war auch ein Grund, weshalb man sie nie anerkannt hatte in der Stadt, in die sie ihrem Mann damals gefolgt war.

Elsa erhob sich mit einem schrillen Schrei in die Luft und flog davon.

„Was hat sie denn nun schon wieder?“ Aufgeregt hielten die zwei Ausschau. Drohte erneut Gefahr? Doch es war nichts zu sehen, und so setzten sie ihren Weg fort und entfernten sich immer weiter von der Stadt.

„Schau, da ist Elsa ja wieder, und sie trägt etwas im Schnabel“, sagte die Mutter. Die Elster setzte zum Landen an und ließ einen Gegenstand auf den Sandweg fallen. Eine goldene Kette mit einem Medaillon. Brunhilde hob ihn auf und erstarrte.

„Die Kette meiner Großmutter, der Anhänger mit der Mondsichel! Das fahrende Volk muss ganz in der Nähe sein! Dort müssen wir hin, dann sind wir in Sicherheit. Elsa, wo hast du die Kette gefunden? Führe uns …“ Und der Vogel breitete langsam seine Flügel aus und stieg in die Luft.




 

©byChristine Erdic

 



Dienstag, 17. Mai 2022

Ein Trip zu den Aran Islands

 

Die drei Aran-Inseln Inis Mór, Inis Meáin und Inis Oírr liegen 48 km vor der Bucht von Galway. 




Machen Sie einen Trip auf dem Wild Atlantic Way, entdecken Sie wilde und atemberaubend grüne Landschaften, reetgedeckte Cottages und friedlich grasende Schafe.




Typisch für die Inseln und Westirland sind die kreuz und quer verlaufenden Mauern, die aus losen Steinen so gebaut sind, dass der Wind sie passieren kann. 




Die Aran Islands inspirieren seit jeher Schriftsteller, Dichter und Künstler sowie Menschen, die hier herkommen, um sich zu erholen und die Verbindung zum ursprünglichen Landleben in Irland zu suchen.




Auf allen drei Inseln ist Irisch die dominante Sprache. In den Schulen werden, im Gegensatz zu denen auf dem irischen Festland, alle Fächer in der Muttersprache Gälisch unterrichtet. Viele Iren schicken ihre Kinder deshalb auf die Sommerschule nach Inis Mór.




Die Anreise ist einfach: Fähren verkehren das ganze Jahr täglich von Rossaveal (Ros a Mhíl) in der Nähe der Stadt Galway, und in den Sommermonaten auch von Doolin aus. Alternativ bietet sich ein acht minütiger Flug mit Aer Arann, ein unvergleichliches Erlebnis!




Inis Mór ist übrigens die größte der drei Inseln („Mór“ bedeutet auf Irisch „groß“) und hat rund 900 Einwohner. Obwohl die Insel nur 12 km lang und 3 km breit ist, finden sich hier viele historische Stätten. Sehenswert sind zudem Dun Aengus, das Felsenbecken Pull na bPeist, die Seven Churches  und die Puffing Holes.




Sie haben die Wahl, die Insel auf eigene Faust per Fahrrad oder im Rahmen einer Führung mit Kleinbus oder Pferdewagen zu erkunden.





Im Hauptdorf Kilronan finden Sie Läden mit Souvenirs, den berühmten Aran-Pullovern, Restaurants, Cafés und Unterkünfte.





Nennenswert sind die kleinen Häuser der Leprechauns, der irischen Kobolde, die so manch einen Vorgarten der Einwohner zieren. Gerade auf den Aran Islands ist der Glaube an die kleinen Naturwesen und Elfen noch sehr lebendig.










Inis Meáin bedeutet „die in der Mitte“. Diese Insel legt besonderen Wert darauf, ihre Traditionen auch in unserer heutigen Zeit zu pflegen. Hier werden in der Inis Meáin Knitting Company die Aran-Pullover produziert.




Inis Oírr

Inis Oírr (die Südliche) ist die kleinste Aran-Insel (gerade mal knapp 3 km lang und nur 2 km breit) und dem Festland am nächsten gelegen. Mit seinem puderweichen weißen Sandstrand, der von kristallklarem Wasser umspielt wird, und seiner unter Naturschutz stehenden Flora, ist die Insel ein wirkliches Kleinod. Tipp: Entdecken Sie die Insel mit einem von Pferden oder einem Traktor gezogenen Wagen.




Erwähnenswert ist noch der keltische Friedhof mit der versunkenen Kirche Saint Caomhán nahe des Hafens.




Und hier eine kleine Geschichte über Kobolde und Leprechauns!




Das Versteck des Leprechaun

Nepomuck liegt bäuchlings auf der Wiese und stützt den Kopf in beide Hände. Aufmerksam schweift sein Blick umher. Hier ist alles so grün, fast unwirklich! ‚Doch der matte smaragdgrüne Schimmer, der über allem liegt, tut mir gut, ebenso wie die milde Luft. Allerdings kann es jederzeit anfangen zu regnen. Tja, das ist eben Irland!‘

„Nepomuck, so komm doch endlich! Wir wollen Ball spielen!“

Das sind die Zwillinge Kilian und Kiara: Sieben Jahre alt und kaum voneinander zu unterscheiden mit ihren grünen Augen, den vielen Sommersprossen und dem feuerroten Haar.

‚Viele Menschen hier sind rothaarig, stellt Nepomuck fest, so wie meine Freundin Peggy, die ich in Deutschland kennengelernt habe und die jetzt schon seit einem Jahr in Norwegen lebt, um dort das Fressverhalten der Elche zu studieren.‘

Der kleine Kobold spürt plötzlich einen Anflug von Heimweh in sich aufsteigen. Schnell springt er deshalb auf und jagt Kiara den Ball ab. Nach kurzer Zeit blitzen seine schwarzen Augen wieder unternehmungslustig mit denen der Zwillinge um die Wette. Ein Kobold kann eben einfach nicht lange traurig sein.

Nepomuck fühlt sich ja auch sehr wohl hier: ‚Besonders gut gefallen mir die bunten Haustüren, die die irischen Häuser schmücken. Manchmal sind aber auch die Häuser bunt und die Haustüren weiß.‘

Nepomuck – selbst ein richtiger Künstler, der sich damit auskennt – hat in seinem norwegischen Kobolddorf viele Haustüren geschnitzt und angemalt. Vor den Türen in Irland sitzen oftmals alte Männer und paffen friedlich ihre Pfeife.

Beim Frühstück erlebte Nepo freilich erstmal einen kleinen Schock: auf seinem Teller: Speck, je eine Scheibe Blut- und Leberwurst und Würstchen! Nun, es existieren nur wenige Kobolde, die überhaupt Fleisch mögen. Zum Glück des Gourmets mit besonderem Hang zu Süßem gab es aber auch „Scones“, ein englisches Gebäck, das er mit Ahornsirup und Marmelade genüsslich verzehrte.

Nepomuck tritt kräftig gegen den Ball – und nimmt im gleichen Augenblick aus den Augenwinkeln eine huschende Bewegung wahr.

„Was war das?“, wundert er sich.

„Ach, sicher nur ein Leprechaun“, vermutet Kilian achselzuckend.

„Was ist ein ‚Leprechaun?“, Nepomuck lässt das seltsam klingende Wort ganz langsam über seine Zunge rollen.

„So nennen wir die Kobolde hier in Irland“, erklärt Kiara.

„Sie sind sehr neugierig und beobachten uns gern. Allerdings sind sie richtige Einzelgänger und immer allein unterwegs.“

„Ganz anders als bei uns“, überlegt Nepomuck. „Wir finden es in Gruppen viel lustiger. Was macht denn ein einzelner Leprechaun den ganzen Tag? Wird ihm nicht langweilig?“

Kilian schüttelt den Kopf.

„Nein, die sind immer beschäftigt, stellen zum Beispiel Schuhwerk für Elfen her und …“

„Sie sind sowas von geizig!“, ruft Kiara dazwischen. „Manchmal erblickt man einen von ihnen, wie er einen Topf mit Goldstücken schleppt, um ihn zu verstecken. Das Versteck befinde sich am Ende des Regenbogens, heißt es. Schon so mancher hat versucht, einem Leprechaun seinen Topf abzujagen – aber falls es gelang, verschwand das Gold, sobald er es ausgeben wollte.“

Neben Nepomuck raschelt es, und jetzt sieht er den Leprechaun, der tatsächlich noch wesentlich kleiner ist als er selbst! Auf seinem Kopf sitzt ein grüner Hut, und auch seine Jacke ist grün. So wäre er eigentlich gut getarnt – wenn, ja, wenn sein feuerrotes Haar nicht derart leuchten würde.

Langsam steht Nepomuck auf und macht einen Schritt auf den kleinen Wicht zu.

Meine Güte! Der ist ja mit seinem zerknitterten Gesicht und den böse dreinblickenden Augen fast so hässlich wie die Wurzelzwerge daheim. Und lustig ist er auch nicht, denkt er.

„Kommt, wir jagen ihm sein Gold ab“, begeistert sich Kiara und springt auf. Der Leprechaun kreischt erbost auf und saust blitzschnell davon.

„Wir müssen uns trennen, sonst finden wir ihn nicht“, schlägt Kilian vor.

Gesagt, getan! Jeder sucht in einer anderen Richtung. Nepomuck findet schnell eine Spur. Es poltert laut – und, jawohl, da ist der Leprechaun! Sich auf der Flucht nach seinem Verfolger umschauend, scheint der Kleine dabei gegen einen Baum gelaufen zu sein. Jetzt sitzt er am Boden, reibt sich die Stirn und funkelt Nepomuck mürrisch an. Vom Topf mit Gold keine Spur.

„Du musst vor mir nicht davonlaufen!“ Nepomuck empfindet auf einmal Mitleid mit dem kleinen Wicht. „Ich bin auch ein Kobold – wie du. Ich bin in Norwegen daheim, aber meine Vorfahren stammen aus Rumänien, deswegen sehe ich anders aus.“

Der Leprechaun mustert sein Gegenüber prüfend und verzieht schließlich sein Gesicht zu einem schiefen Grinsen.

„Willst du mein Gold?“

Nepomuck schüttelt den Kopf.

„Ich brauche dein Gold nicht. Behalte es nur.“

Der Wicht macht ein verblüfftes Gesicht und kratzt sich ratlos am Kopf. Dann erhellt sich seine Miene, der Winzling springt auf, fasst in seine Hosentasche und drückt seinem norwegischen Kollegen eine goldene Münze in die Hand.

„Nimm sie als Souvenir! Weißt du, du bist der erste, der kein Gold von mir will. Möge es dir Glück bringen, Verwandter aus Norwegen – wo immer das auch sein mag.“ Noch ehe sich Nepomuck bedanken kann ist der Leprechaun bereits verschwunden.

Wenig später erzählt er den Zwillingen von seinem Erlebnis. Mit vor Aufregung angehaltenem Atem starren die zwei auf die Münze in seiner Hand.

„He! Jetzt bist du reich!“, jubelt Kiara, und Kilian schlägt vor Begeisterung Purzelbäume auf der Wiese. Der Kobold mit dem schwarzen Strubbelhaar schüttelt den Kopf:

„Nein! Ihr wisst doch: das Gold verschwindet, sobald man damit bezahlen will. Ist eben alles Illusion, nur ein Trick.“

„Ganz so stimmt das nicht“, widerspricht Kiara. „Der Leprechaun hat dir die Münze ja  geschenkt. Man sagt, das geschieht nur ganz selten und gilt als etwas Besonderes. Die Münze, die ein Leprechaun dir schenkt, kehrt immer wieder zu dir zurück, egal wie oft du sie ausgibst.“

Ganz allmählich fällt bei Nepomuck der Groschen, und auf einmal macht er einen Freudensprung.

„Das ist ja toll! Da habe ich im Kobolddorf aber was zu berichten!“ Seine kleine Faust schließt sich fest um die goldene Münze. Die drei sitzen noch lange auf der Wiese und erzählen sich gegenseitig Geschichten über irische und norwegische Kobolde, Feen und Elfen. Manchmal raschelt es leise in den Büschen. Na? Ob sie wohl belauscht werden?

(Aus dem Kinderbuch „Mit Nepomuck auf Weltreise”)




Mit Nepomuck auf Weltreise

Wie funktioniert eigentlich ein Heißluftballon, und wie leben die Eskimos heute? Was passiert, wenn ein norwegischer Kobold auf einen irischen Leprechaun trifft, und was kann man im Karina-Verlag so alles anstellen? Begleitet den lustigen Kobold Nepomuck auf seinen Reisen durch Europa, Asien, Amerika, Afrika und Australien und lernt Menschen, Tiere und verschiedene Kulturen hautnah kennen. Folgt ihm auf den Spuren der Hobbits, und werft mit ihm seinen ersten Bumerang. Die tollsten Abenteuer warten auf euch, denn wo Nepomuck sein Unwesen treibt, da wird es nie langweilig!

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755717102

(Auch als E-Book erhältlich!)




 ©byChristine Erdic

 

 

Samstag, 30. April 2022

Walpurgisnacht Last Minute

Nach zwei langen Jahren ist es endlich wieder so weit: Die Hexen versammeln sich zum Flug in die Walpurgisnacht!




 

Die Wurzeln der Walpurgisfeier liegen weit in vorchristlicher Zeit und gehen auf germanische Ursprünge zurück. Diese „Ureinwohner“ des Harzes sollen an diesem Tag ein mit diversen Opfern einhergehendes Frühlingsfest als Freude über das Ende des Winters sowie die Hochzeit des obersten Germanengottes Wotan gefeiert haben. Dabei wurden auch böse Geister vertrieben, was durch Verkleidungen mit Masken und Feuer geschehen sollte. Unklar ist allerdings, ob die Altvorderen diese Rituale auch auf dem Brocken – dem legendären Zentrum der Walpurgishandlungen – abhielten. Im Rahmen der Christianisierung vor etwas mehr als 1.000 Jahren wurden Namen und Inhalt dieses heidnischen Spektakels der neuen Zeit angepasst.

 

Hier mal ein paar Ausflugstipps auf die Schnelle!




Walpurgis in Bad Grund: Nach zwei Jahren Pause steigt am 29. und 30. April endlich wieder eine der traditionsreichsten Walpurgisfeiern im Harz: In Bad Grund sind unter anderem die beliebte Kinderwalpurgis (Samstag 15 Uhr) auf dem Marktplatz sowie das Open-Air-Theater „Der Wilddieb vom Violenberg“ (21.30 Uhr) am Hübichenstein geplant. Außerdem gibt es ganz viel Live-Musik an beiden Abenden. Details und Hintergründe in unserem Artikel.

Walpurgis in Bad Lauterberg: Die Walpurgis-Nacht im Kurpark beginnt am 30. April um 18 Uhr. Mystische Theatereinlagen sorgen zwischendurch für Unterhaltung. Außerdem gibt es an dem Abend ein großes Laser-Feuerwerk. Und die Coverband „Second Pitcher“ spielt. Für Kinder gibt es magische Angebote. Es wird Eintritt erhoben, „Hexen“ und „Teufel“ können kostenfrei teilnehmen.

Walpurgis in Bad Sachsa: Bei der Märchen-Walpurgis in Bad Sachsa trifft Märchenwelt auf Teufelsbrut. Denn am 30. April ab 15 Uhr verwandelt sich der Vitalpark in einen „Kessel der Fabelwesen“. Geplant ist ein großes Kinderprogramm und um 19.30 Uhr startet der ausgelassene Partyabend mit Live-Musik. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt. Details in unserem Artikel.

Walpurgis in Goslar: In Goslar verwandelt sich der Marktplatz am 30. April ab 13 Uhr in einen mystischen Hexenwald. Bei freiem Eintritt wird zu Live-Musik teuflisch gut gefeiert. Passende Accessoires für Hexen und Teufel können gekauft werden.

Walpurgis in Hahnenklee: In Hahnenklee-Bockswiese im Oberharz legen die Macher besonderen Wert auf eine traditionell ausgerichtete Veranstaltung. Der Kurpark erstrahlt im Lichterglanz, skurrile Gestalten tummeln sich und über der atemberaubenden Kulisse des Kranicher Teiches erstrahlt ein prächtiges Höhenfeuerwerk. Noch gibt es Karten für das Fest.

Walpurgis in Halberstadt: Auf der Festwiese Wehrstedter Hof gibt es ab 18 Uhr bei freiem Eintritt ein Walpurgisfeuer mit anschließendem Tanz in den Mai.

Walpurgis in St. Andreasberg: Am 29. April um 18.30 Uhr werden bei der „Hexenlicht“-Erlebniswanderung die geheimen Wege der Bergstadt erkundet. Und um 20 Uhr lädt das Nationalparkhaus in Andreasberg dann zur Sagen- und Mythenwanderung ein. Beide Wanderungen sind kostenpflichtig. Am 30. April startet um 13 Uhr die Walpurgis für Kids im Kurpark und um 15 sowie 23 Uhr gibt es zwei thematische Theaterstücke.

Walpurgis in Thale: Ab 29. April steigt in Thale die wohl größte Walpurgisveranstaltung im Harz. Die Veranstalter versprechen ein Walpurgis-Spektakel: In der Innenstadt sind ein Walpurgismarkt und ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm geplant. Und im Kurpark gibt es einen Mittelalter- und Kreativmarkt. Los geht’s am Freitag um 15 Uhr. Der Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz muss wegen Bauarbeiten abgesagt werden.

Walpurgis in Schierke: Auch bei der Original-Walpurgis in Schierke am Brocken treiben die Hexen und Teufel wieder ihr Unwesen. Angekündigt sind ereignisreiche Tage voller Mystik und mittelalterlicher Klänge: Es gibt einen Mittelalter-Erlebnismarkt und Musik bekannter Bands aus der Folk­szene. Start ist am Freitagabend, am 30. April dann ab 11 Uhr. Am Samstagabend sind ein Walpurgisfeuer, eine Partybühne und zum Abschluss eine Pyro- und Lasershow geplant. Tickets unter anderem bei Reservix.

Walpurgis in Wernigerode: Das Rathaus in Wernigerode erstürmen die Hexen und Teufel am 30. April ab 13.30 Uhr. Eine tolle Gelegenheit für Fotos und Selfies.




Walpurgis in Altenau: Das Altenauer Kurgastzentrum wird am 30. April zum Hexenkessel: 17 Uhr Kinderprogramm mit Umzug und Hexenbesenführerschein, ab 20 Uhr dann Musik und Tanz bei der zünftigen Walpurgisparty mit der Mittelalterband „Schabernack“ und ab Mitternacht dem Auftritt des Oberteufels mit der berühmten Teufelsansprache und der Maikönigin, anschließend: Begrüßungsfeuerwerk.

Walpurgis in Hohegeiß: Am letzten Tag des Aprils sind auch im schönen Bergdorf Hohegeiß die (kleinen) Hexen und Teufel los. Mädchen und Jungen treffen sich um 13 Uhr an der Tourist-Info zum Schminken. Um 16 Uhr startet dann der große Umzug durch den Ort und zum Schützenplatz.

Walpurgis in Herrmannsacker: Bei der Kinderwalpurgis auf der Ebersburg können die kleinen Gäste am 30. April ab 14 Uhr „Zauberstockbrot“ backen und dazu einen Zaubertrank genießen. Daneben gibt es Bratwurst, Kuchen und Kaffee für den guten Zweck. Außerdem werden Geschichten vorgelesen und ein Kostümwettbewerb ist auch geplant.

Walpurgis in Oberharz am Brocken: Ebenfalls am 30. April erwartet die kleinen Hexen und Zauberer ein „verhextes Highlight“ in der Baumannshöhle: die Hexenlesung im Goethesaal. Zusätzlich gibt es von 14 bis 16 Uhr im Foyer eine Mal- und Bastelstraße, eine Hexenbesen-Werkstatt sowie eine Button-Produktion. Tickets unter www.harzer-hoehlen.de.

(Quelle: https://www.harzkurier.de/)

 

Für alle, die zu Hause bleiben müssen gibt es hier eine spannende Geschichte für heute Nacht.




Die schwarze Katze

Um schwarze Katzen ranken sich unzählige unheimliche Geschichten. Aberglauben, meinen Sie? Nun, die kleine Stadt, deren Namen ich nicht nennen möchte, wimmelt geradezu von abergläubischen Menschen.

Jochens Augen waren voller Furcht, als er zu dem Haus am Ende der Straße hinübersah. Noch niemals war er dem alten Gemäuer so nahe gekommen.

„Hier wohnt sie also, die Hexe“, wisperte er seinem Freund Ralf zu. Der nickte.

 „Sie hat eine schwarze Katze, und nachts tanzt sie um das Feuer.“

„Dort sollen sogar schon Kinder verschwunden sein“, flüsterte Ralf zurück.

 „Woher wisst ihr das?“ Mark blickte seine Freunde argwöhnisch an. „Das sind doch Ammenmärchen!“

„Pst“, zischte Jochen verärgert. „Du bist fremd und weißt gar nichts. Willst du, dass sie uns hört und herauskommt?“

Es stimmte, Mark war erst vor wenigen Tagen aus Berlin hergezogen. Dank der Schule hatte er schnell Anschluss gefunden, wenn er auch die Leute im Ort ein wenig seltsam fand. Vor allem diese Geschichte mit der angeblichen Hexe war ihm mehr als suspekt.

„Wollen wir nicht lieber Fußball spielen? Bis zum Abendbrot ist noch etwas Zeit,“ lenkte er ab. Johlend entfernten sich die Zehnjährigen in die entgegengesetzte Richtung.

 „Ich hole den Ball!“, schrie Ralf. Für den Augenblick war das alte Haus mit seiner unheimlichen Bewohnerin vergessen.

„Ihr wart doch nicht dort oben bei der Alten, oder?“, wurde Jochen von seinem Vater am Tisch empfangen.

„Nein, ganz bestimmt nicht, Papa“, versicherte der eine Spur zu schnell. Stirnrunzelnd schaute Herr Jansen seinen Sprössling an.

„Du weißt, dass es gefährlich ist. Damals ist dort ein Junge verschwunden. Also haltet euch fern.“

„Aber Heinrich, das ist doch nie aufgeklärt worden …“, warf seine Frau zaghaft ein.

„Martha, es gehen seltsame Dinge vor sich. Neulich erst ist mir dieses schwarze Katzenvieh direkt vor die Füße gelaufen. Es kam von links! Kurz darauf hatte ich einen platten Reifen. Am nächsten Morgen habe ich mich mit dem Kaffee verbrüht und mir dabei den neuen Anzug ruiniert.“

„Und das alles wegen der Katze“, schmunzelte Martha. Heinrichs Faust donnerte auf den Tisch.

„Ich verbiete euch, dort hinzugehen! Basta!“

„Ich bin morgen bei Frau Wummer zum Kaffee eingeladen“, lenkte seine Frau ab.

„Oh cool, das ist doch die Mutter von Mark!“, rief Jochen begeistert. Wohlwollend schaute Heinrich über seinen Brillenrand.

„Das scheint eine sehr nette Familie zu sein. Soweit ich weiß hat Mark noch ein kleines Schwesterchen. Dann mal viel Spaß da!“

 

Bei Wummers waren noch andere Frauen aus der Nachbarschaft eingeladen, unter ihnen auch Ilona, Ralfs Mutter, mit der Martha seit langem eng befreundet war.

„Hazel, du wohnst ja hier recht hübsch, aber mir wäre es doch zu nah am Hexenhaus. Pass nur gut auf dein Töchterchen auf!“, sagte sie gerade. Die gebürtige Engländerin lachte und gab der kleinen Jenny noch einen Schokokeks.

„Eine echte Hexe, oh wie interessant! Möchte noch einer Kaffee?“ Unbekümmert reichte sie die Kanne herum und brachte das Gespräch schnell wieder in andere Bahnen. Es ging um Schule, Erziehung, Kochrezepte und diverse andere Themen.

„Ach Jenny, du hast dich ja eingesaut, du kleines Ferkel!“

Niemand hatte auf das blonde Lockenköpfchen geachtet. Nicht nur im Gesicht sondern auch auf dem geblümten Kleid und der Tischdecke hatten Sahnetorte und Schokokekse deutliche Spuren hinterlassen.

„Mutti, das macht doch nix, das waschen wir wieder.“ Zärtlich fuhren die Schokohände der Vierjährigen durch das Haar ihrer Mutter. Unter Gelächter und mit guten Ratschlägen fand der Kaffeeklatsch seinen Abschluss.

 

Zur gleichen Zeit beschlossen die drei Jungs, die Hexe mal aus dem Haus zu locken, da Mark sie unbedingt sehen wollte.

„Sicher ist sie alt und hässlich. Mit einer dicken Warze auf der Nase“, kicherte Ralf.

„Ja, und mit einem schwarzen Umhang und einem Zauberstab“, ergänzte Jochen.

„Quatsch, sie ist doch nicht Gandalf, der Magier“, lachte Mark.

„Wirst schon sehen! Aber wie machen wir das jetzt?“

„Wir müssen dichter ran und werfen dann Steine gegen ihr Fenster!“

„Ich habe eine Zwille dabei!“ Auf Zehenspitzen schlichen sie sich im Schutz der Bäume an. Da öffnete sich die Tür. Vor Schreck stolperten die drei Freunde übereinander und küselten über den Boden.

„Mensch, die ist ja gar nicht alt und …“

„Komm endlich!“ Ralf und Mark hatten bereits das Weite gesucht. Jochen rappelte sich auf und sah direkt in die Augen der Hexe.

Er war wie erstarrt, obwohl er doch eigentlich davonlaufen sollte.

„Hast du dir wehgetan?“ Die Hexe half ihm vorsichtig auf. Eine sanfte Stimme, smaragdgrüne Augen und kurzes dunkles Haar. Sie war jung und hübsch. Jochen sah sie zweifelnd an, als könne sie sich doch noch in eine alte Frau oder etwas anderes verwandeln.

„Komm mit, ich möchte dein Knie drinnen verarzten. Hab keine Angst, ich werde nicht plötzlich eine andere Gestalt annehmen.“

Ihr Lachen war glockenhell. Konnte sie etwa Gedanken lesen? Erst jetzt sah der Junge, dass sein Knie stark blutete. Mit gemischten Gefühlen folgte er der Hexe in ihr Haus.




„Was machen wir denn jetzt? Er geht tatsächlich mit der mit!“ Verzweifelt sah Ralf seinen neuen Freund an. Mark zuckte ratlos mit den Schultern. Auch ihm saß der Schrecken noch in allen Gliedern.

„Wir warten, bis er wieder raus kommt.“

„WENN er wieder rauskommt.“ Verzagt ließ sein Kumpel den Kopf hängen.

 

Inzwischen hatte die Hexe drinnen Jochens Knie verarztet.

„Was ist das für eine Salbe?“, erkundigte der sich argwöhnisch.

„Krötenfett, Schneckenschleim und noch ein paar geheime Zutaten, die ich dir leider nicht verraten kann.“ Sie beugte sich dicht an sein Ohr und flüsterte: „Berufsgeheimnis.“

„Bist du eine … eine …“

„Eine Hexe? Finde es selbst heraus!“ Prüfend wanderte sein Blick durch die Küche, die eigentlich ganz normal aussah. Naja, bis auf den großen altmodischen Kessel über der Feuerstelle, die vielen Kräuter, die überall zum Trocknen hingen und ein Regal mit seltsamen Flaschen und Behältern. Aber weder Hexenbesen noch Zauberstab konnte er entdecken. Die junge Frau war ganz normal gekleidet: Jeans und weißes Shirt.

„Übrigens heiße ich Laura.“ Wieder ertönte ihr helles Lachen. Der unfreiwillige Gast merkte, dass er rot anlief.

„Ich bin Jochen“, stotterte er.

„Klar!“ Die grünen Augen blitzten. „Möchtest du einen Kakao oder einen Tee?“ Er glaubte fast, ein Schnurren in ihrer Stimme zu hören.

„Wo ist deine Katze?“

„Welche Katze? Ach so, die. Na sie kommt und geht, keine Ahnung, wo sie grad ist. Also, doch lieber Kakao?“ Lauernd sah sie ihn an. Sie sieht selbst aus wie eine Katze, dachte der Junge.

„Danke, aber ich muss los. Meine Freunde warten auf mich.“

Laura nickte.

 „Vielleicht nächstes Mal. Bring doch Ralf und Mark einfach mit.“

Nichts wie raus hier! Woher wusste die die Namen seiner Freunde? Und schon rannte er los.

Draußen war die Erleichterung groß.

„Mensch, du lebst!“

„Erzähl mal!“

„Wie sieht es bei der aus?“

„Du hast hoffentlich nichts gegessen!“ Und Jochen erzählte - natürlich nur das Gute. Laura war wunderschön und hatte sein Knie verarztet, ihm dann auch etwas zu trinken angeboten. Nein, einen Zauberstab hatte sie wohl nicht, auch keinen Hexenbesen. Aber nächstes Mal sollte er seine Freunde mitbringen.

„Ja klar, dann hat sie uns alle drei auf einen Streich“, sagte Ralf.

„Ist sie denn nun eine Hexe?“, erkundigte sich Mark.

„Woher soll ich das wissen?“ Jochen zuckte die Schultern.

„Wenn deine Wunde morgen verheilt ist, dann hat sie Hexenkräfte“, entschied Ralf.

„Genau! Wir dürfen zu Hause aber nicht erzählen, wo wir waren!“, warnte Jochen.

Auf dem Weg kreuzte die schwarze Katze ihren Weg. Sie machte einen Buckel und fauchte. Jochen nahm einen Stein auf und warf ihn nach dem Tier.

„Ich glaube, du hast sie getroffen“, meinte Ralf zufrieden.

„Hoffentlich nicht. Wie könnt ihr nur so gemein sein?“ Der eigentlich weichherzige und tierliebe Mark wunderte sich einmal mehr über das Verhalten seiner Kameraden.

 

Am nächsten Morgen war Jochens Knie vollkommen in Ordnung, nicht einmal Schorf hatte sich gebildet.

„Also ist Laura doch eine Hexe“, murmelte er. Nach der Schule beratschlagten sie eifrig.

„Wir müssen sie von hier vertreiben!“

„Sollen wir nicht erst nochmal am Haus vorbeischauen?“ Mark war trotz aller Beweise unsicher. Das konnte nicht verkehrt sein, also stimmten alle zu. Allerdings war wie immer Vorsicht geboten. Im Vorgarten sahen sie Laura beim Himbeeren pflücken - sie humpelte leicht. Jochen zog die anderen zur Seite und erzählte von seinem Verdacht:

„Auf ihrem Grundstück und im Haus ist sie ein Mensch und draußen auf der Straße eine Katze. Seht selbst, gestern habe ich sie mit dem Stein verletzt, und heute humpelt sie.“

Mark sah ihn noch immer zweifelnd an. „Sollen wir das nicht lieber erst unseren Eltern erzählen?“

Jochen schüttelte den Kopf.

„Dann bekommen wir tierischen Ärger. Wir dürfen ja nicht mal in die Nähe des Hexenhauses. Nein! Das erledigen wir selbst!“

Nun wurde ein Schlachtplan entworfen.

Und am nächsten Morgen schwänzten die drei Helden die Schule, um ihr finsteres Vorhaben in die Tat umzusetzen. Diesmal kamen sie von hinten um das Haus herum und kletterten über den Holzzaun. Jochens Hände zitterten leicht, als er die mitgebrachte Stoffbluse, die in einer Dose steckte, anzündete - er verbrauchte drei Streichhölzer dafür - und durch ein offenstehendes Fenster in ein Zimmer an der Rückseite des Hauses warf. Synthetik fängt bekanntlich schnell Feuer, und schreiend wälzte sich der Junge kurz darauf am Boden. Er hatte sich die Hand verbrannt. Doch auch die Gardinen standen inzwischen lichterloh in Flammen. Plötzlich wurden Stimmen laut. Die Jungen standen unschlüssig herum. Sollten sie ihren Kameraden einfach wieder einmal zurücklassen? Dann ging alles ganz schnell. Wasser spritzte durch das Fenster, und noch schwelende, leicht verkohlte Vorhänge flogen in den Garten.

Eine Frauenstimme überschlug sich:

„Was ist denn hier los?!“

Eine schwarze Katze zischte miauend an ihnen vorbei über den Zaun, und ein kleines Mädchen rannte jauchzend mit ausgebreiteten Armen auf Mark zu.

„Jenny!“

„Drinnen ist ein Feuer, das riecht so gut! Aber ich musste raus!“, berichtete sie mit glänzenden Augen.

„Mark! Was tut ihr denn hier?“ Streng klang die Stimme seiner Mutter. Nun füllte sich der Garten langsam mit Frauen.

„Ralf, habt ihr etwas mit dem Feuer zu tun?“ Drohend kam Ilona auf ihn zu. Martha beugte sich über Jochen und rief um Hilfe. Jetzt erschien auch Laura, die die Flammen endgültig gelöscht hatte. Zum Glück hatte Merlin, der Kater, den Brand sofort bemerkt und sie darauf aufmerksam gemacht. So konnte größerer Schaden verhindert werden.

„Aber, wir wollten doch nur …“, stammelte Ralf hilflos. Während Laura ein Pulver auf Jochens Brandblasen gab, erstatteten die anderen kleinlaut Bericht.

„Wie könnt ihr nur so dumm sein und so unverantwortlich handeln?!“, fragte Ilona kopfschüttelnd. „Wir hätten alle verbrennen können!“

„Ganz unschuldig seid ihr ja nicht“, stellte Hazel fest. „Was erzählt ihr euren Kindern auch solche Geschichten - von wegen Hexe und so!“ Beschämt senkten die Nachbarinnen den Blick.

„Aber wir konnten doch nicht wissen, dass ihr … wieso seid ihr eigentlich alle hier?“, fragte Mark kleinlaut.

„Von dir hätte ich eigentlich mehr Herz und Verstand erwartet, Mark, ich bin sehr enttäuscht“, sagte seine Mutter ernst. „Laura hat uns alle zu Kaffee und Kuchen eingeladen, damit endlich diese blöden Gerüchte aufhören. Und dann kommt ihr daher und fackelt ihr beinahe das Haus über dem Kopf ab! Solltet ihr nicht stattdessen in der Schule sein und lernen?“

„Tja, Jochen, hoffen wir, dass die Hand ebenso schnell wie dein Knie heilt“, schmunzelte Laura und setzte nur für ihn hörbar hinzu:

„Wäre es die linke gewesen, mit der du das Feuer gelegt hast, so würde ich gewiss für ein lebenslanges Andenken sorgen. So aber - na, wir werden sehen …“

Dem Jungen lief ein Schauder über den Rücken. Woher wusste die Hexe, dass er Linkshänder war? Es war und blieb rätselhaft und unheimlich. Am Ende waren sich alle im Ort einig, dass Laura doch eine wunderbare Nachbarin war, der man großes Unrecht getan hatte - alle bis auf Jochen, der da so seine Zweifel hatte.

(Aus dem Buch UNHEIMLICHE GESCHICHTEN)

Taschenbuch

https://www.amazon.de/gp/product/1093338334/ref=dbs_a_def_rwt_hsch_vapi_taft_p1_i4

E-Book

https://www.amazon.de/Unheimliche-Geschichten-Christine-Erdic-ebook/dp/B07QH1P9M3/ref=sr_1_3?crid=1WHYONKUAHBAR&keywords=christine+erdi%C3%A7&qid=1651309063&s=digital-text&sprefix=christine+erdi%C3%A7%2Cdigital-text%2C142&sr=1-3


 

 ©byChristine Erdic


Mittwoch, 23. März 2022

Tolle Ausflugstipps zu Ostern

 Ostern ist ja gar nicht mehr so lange hin! 




Da ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, ob man das Fest besinnlich zu Hause zelebrieren oder doch zumindest einen Kurzausflug machen möchte. Hier mal ein paar tolle Tipps für Familien mit Kindern!

 


Ostern Seemarkt Herrsching 2022

Der Markt findet vor traumhafter Kulisse an der Herrschinger Seepromenade unter dem Motto: Kunst  Garten  und Genuss, statt. Über 90 Künstler, Kunsthandwerker und Aussteller bieten modernes und traditionelles, außergewöhnliches und edles Kunsthandwerk an. Großes Ostereiersuchen für die ganze Familie findet am Ostersonntag statt -  wer zuerst kommt, findet auch zuerst!




Außerdem wird eine Kindereisenbahn die Herzen der Kinder höher schlagen lassen!  Dabei runden ein besonderes kulinarisches Angebot mit bayerischen und internationalen Schmankerln und bayerische Bierspezialitäten  das abwechslungsreiche künstlerische und kunsthandwerkliche Angebot ab.
Der Eintritt ist frei.

Mehr Infos unter

Quelle: https://www.kids-ontour.de/ausflugsziele-kinder-familie_12197_Ostern+Seemarkt+Herrsching+2022.html




Serengeti-Park-Osteraktion 2022

Spaß, tierische Abenteuer und spannende Attraktionen kostenlos: 2022 lädt der Serengeti-Park alle Kinder am Ostersonntag zum kostenlosen Besuch ein - wenn sie ein Ei an der Kasse vorzeigen.




Alle Kinder bis 12 Jahre, die am Ostersonntag (17. April 2022) im Serengeti-Park Hodenhagen an der Kasse ein Ei vorzeigen, erhalten freien Eintritt. Unter dem Motto „Eintritt frei mit Osterei“ veranstaltet der Tier- und Erlebnispark schon seit über 20 Jahren einen Aktionstag am Ostersonntag. Dabei ist es egal, ob das vorgezeigte Ei ein Hühnerei, ein Deko-Ei oder ein Schokoladen-Ei ist – der freie Eintritt ist garantiert.

Infos und Quelle: https://www.parkerlebnis.de/serengeti-park-ostern-2022-eintritt-frei_58526.html

 

Mittelalterlicher Ringelrein beim Osterfest in Düppel

Im Freiluftmuseum, dem Museumsdorf in Düppel wird Ostern auch mittelalterlich gefeiert, wenn auch beschaulicher und familiärer. Auf dem mittelalterlichen Dorfplatz werden Reigen getanzt und alte Weisen gesungen, in den Scheunen können Familien gemeinsam um die Osterfeiertage herum Eier bemalen und sich in einen fröhlichen Ostertrubel stürzen. Am Lagerfeuer kann man sich dann mit einem Bratwürstchen stärken und dem bunten Treiben zusehen.




Aber auch sonst ist die Freianlage in Berlin Zehlendorf einen Ausflug mit der Familie wert. Bei einem Spaziergang durch den Ortskern wird die Zeit vor rund 800 Jahren lebendig: Hütten, Schmiede und Bäckerei können besichtigt werden. Es gibt viele Stationen zum Anfassen und Mitmachen. Mitarbeiter des Museumsdorfes laufen in Kutten herum und zeigen, wie das mit dem Korbflechten, Schmieden und Brotbacken im Mittelalter funktioniert hat. Wir haben uns besonders über die alten Schafrassen und puscheligen Wollschweine gefreut.




Infos und Quelle: https://www.dueppel.de/veranstaltungen/

 

Buntes, lautes, wildes, lustiges Ostern im FEZ

Gerade bei schlechterem Wetter ist das FEZ in Berlin-Köpenick ein echter Geheimtipp zu Ostern. Berlins schönstes Freizeitzentrum bietet Familien mit Kindern viel Interessantes über die Osterfeiertage: zum Beispiel einen Hasenflug ins Weltall im FEZ-eigenen Raumfahrtzentrum Orbital. Oder einen Theaterworkshop zur Hasenschule im Hasentheater. Ein Kino, in dem sich zu Ostern natürlich alles rund ums Ei dreht. Hasenspiele, Hasenwettrennen, Eierpuzzle – die Mitarbeiter des FEZ legen sich an Ostern immer besonders ins Zeug, um ihre jungen Gäste zu bespaßen. Wer das nicht mag, tobt sich in der Tobescheune aus, macht beim Pfannkuchenrennen mit oder vergnügt sich einfach nur auf dem Spielplatz. Oder läuft beim Osterspaziergang mit und freut sich über das anschließende Osterfeuer.




Infos und Quelle: https://fez-berlin.de/

 

Zusätzlich freut sich ihr Kind sicherlich noch über ein schönes Buch im Osterkörbchen. Bücher sind haltbarer und gesünder als bunte Schokoeier und Zuckerwerk.




Wer ansonsten nichts plant sollte dies unbedingt ins Auge  fassen, denn hier gibt es nicht nur Lesespaß sondern auch tolle Backrezepte und Bastelideen für ein Kobold- oder Osterdorf aus liegenden Ostereiern mit Pappdächern, einen Osterhasen aus Socken und noch vieles mehr!



Ostern mit Nepomuck und Finn




Hast Du Lust, das Osterfest mit Nepomuck und Finn zu feiern?
Der Kobold macht sich auf den Weg, um seine Mäusefreunde zu besuchen. Natürlich geht es dabei turbulent zu, und alle Nepomuck-Finn-Fans kommen wieder voll auf ihre Kosten!
Neben einer spannenden Geschichte warten diesmal unter anderem tolle Basteltipps auf Dich!

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3750407725




Leseprobe aus dem Buch

Rache ist süß

Vor der Scheune ruft Finn alle zu sich. „Was im Haus neben dem Färben der Eier passiert ist, bleibt unter uns. Die Frauen müssen nicht alles wissen. Sonst lassen sie uns nie wieder fort. Ist das klar?“

„Und wie klar das ist“, antwortet Nepomuck. „Können wir uns auf euch verlassen, Kinder?“

„Aber sicher.“

„Also dann wollen wir mal!“

„Da sind wir wieder!“, ruft Finn freudestrahlend.

Susi und Lilly kommen sofort angelaufen. „Hat alles geklappt?“, wollen sie wissen.

„Na sicher. Es waren doch Profis am Werk.“

„Ihr seht aber sehr müde aus. Ich denke. ein Nickerchen tut euch allen gut.“ Das lassen sie sich nicht zweimal sagen. Nepomuck verstaut die Eier nur noch in einer Holzkiste, die er draußen gefunden hat, und dann fallen auch ihm die Augen zu.

Bis zum Nachmittag bleibt es mucksmäuschenstill in der Scheune. Man hört nur hier und da ein leises Schnarchen.

Luis ist der Erste, der wach wird. Er zieht Nepomuck am Ohr. „Aufstehen. Wir müssen die Eier doch noch fertig machen.“

„Wie - fertig machen?“, fragt der Kobold schläfrig.

„Du hast doch gesagt, wir malen noch etwas drauf.“

„Ja, stimmt. Dann weck mal die anderen.“

„Aufstehen!“, brüllt er durch die Scheune. „Die Eier warten!“ Das Geschrei verfehlt seine Wirkung nicht. Nach und nach kommen alle schlaftrunken an.

„Wie, die Eier warten?“, will Amanda wissen. „Was meinst du?“

„Habt ihr es denn vergessen? Nepomuck hat doch gesagt, wir dürfen auf die Eier noch Motive pinseln.“

„Stimmt ja, aber womit?“ Fragend schaut sie den Kobold an.

„Ich habe im Haus des Bauern Wasserfarbe und Pinsel gefunden. Die habe ich mir ausgeliehen.“

„Ausgeliehen“, empört sich Susi. „Das ist Stehlen.“

„Nein. Ich bringe sie ja wieder zurück. Das fällt überhaupt nicht auf.“

„Dürfen wir dann jetzt malen?“

„Also gut. Setzt euch mal alle da hinten hin. Dann bringe ich euch die Eier und Farbe.“

Voller Erwartung schauen die Mäusekinder ihren Freund an.

„So, hier sind ein paar Töpfchen mit Wasser. Da die Pinsel für euch zu groß waren, habe ich die Haare herausgezogen und an kleinen Ästen befestigt. Damit müsste es gehen. Nun müsst ihr sie nur noch ins Wasser tunken, dann in die Farbe und lospinseln. Ich gehe mal zu euren Eltern. Viel Spaß!“

Und schon legen die Kinder los. Sie sind nicht zu bremsen, schnell sind Sterne, Blumen und Punkte auf die Eier gezeichnet.

„Mein Ei sieht aber viel schöner aus als deins“, neckt Lukas seine Schwester Luise.

„Stimmt ja gar nicht!“ Und noch bevor er weiß, was geschieht, bespritzt sie ihn mit Wasser.

Das lässt er sich natürlich nicht gefallen und macht auch sie nass. Und schon ist eine wilde Wasserschlacht im Gang, denn auch die anderen Kinder lassen es sich nicht nehmen, mit Wasser herumzuspritzen.

Bei dem ganzen Durcheinander merkt keiner, dass Willi und Fridolin sich entfernen. Als sie zurück kommen, haben beide Strohhalme bei sich.

Luise fällt es als erste auf, und sie fragt interessiert nach, was sie damit vorhaben.

„Das ist eine Überraschung für Luis“, verkünden sie.

„Eine Überraschung für mich? Das ist aber toll! Was ist es denn?“

„Das verraten wir dir, wenn du zu uns kommst. Wir wollen es nicht so laut sagen, damit es die anderen nicht mitbekommen.“

Etwas skeptisch schaut Luis die Zwei an, aber dann siegt die Neugierde. Und ehe er sich versieht, wird er überwältigt und gefesselt. Und damit er nicht schreien kann, bindet Willi ihm auch noch vorsichtig das Schnäuzchen zu.

Luis begreift gar nicht, was los ist. Dann verkündet Fridolin laut: „Leute, hier haben wir ein besonders schönes Ei! Das müssen wir auch noch bemalen!“

Diese Einladung lassen sich die anderen Kinder natürlich nicht entgehen. Und schon machen sich auf Luis Fell rote, blaue und grüne Tupfer breit. In diesem Moment taucht Nepomuck mit Finn im Schlepptau auf. „Was macht ihr denn da?“, will er wissen.

Alle zucken zusammen. „Ja – ähm, also wir dachten, Luis sieht mit Farbe besser aus. Du musst zugeben, das Bunte unterstreicht sein Aussehen noch mehr“, feixt Willi.

Und noch bevor der Mäusejunge sich versieht, greift Nepomuck ihn und drückt ihn mit dem Popo in die lila Farbe. „Na, wie gefällt dir das? Also ich finde, Lila steht dir außerordentlich gut.“ Ein schallendes Gelächter ist zu hören.

In der Zwischenzeit hat Finn seinen Sohn befreit und schaut Willi böse an.

Reumütig sagt der: „Tut mir leid, Luis. Ich konnte einfach nicht anders. Die Verlockung war zu groß. Bitte nicht böse sein.“ Er hat noch nicht ganz ausgesprochen, da fliegt ein Wasserbecher auf ihn zu. Bevor Willi sich versieht, ist er platschnass.

Luis hält sich den Bauch vor Lachen. „Ja, lieber Bruder, ich konnte auch nicht anders! Hab dich aber trotzdem lieb!“

Überrascht schaut Willi ihn an und stimmt dann in das Lachen ein.

Finn schaut seine Söhne belustigt an. „Na, das wird bestimmt ein besonders buntes Osterfest. Wenn es jetzt schon so farbenfroh ist!“

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©byChristine Erdic