Donnerstag, 26. Oktober 2017

Perle des Salzkammerguts


Der Wolfgangsee wurde vom Bischof Wolfgang aus Regensburg als Rückzugsort entdeckt, der bald darauf Pilgerströme anzog. 


Seit dem Mittelalter ist St. Wolfgang ein bedeutender christlicher Wallfahrtsort. Heute kommen auch aus allen Kontinenten Touristen in diese viel besungene Region zwischen der Festspielstadt Salzburg, Fuschlsee, der Kurstadt Bad Ischl, dem Traunsee und den Salzbergwerken Hallstatt - Bad Aussee.





Als einer von mehr als 70 kleinen und größeren Seen des Salzkammerguts, garantiert der Wolfgangsee Erholung bei vielerlei Sportaktivitäten in Kurzurlauben oder längeren Aufenthalten: Tennis, Reiten, Golfen, Schwimmen, Rudern, Segeln, Surven, Paragleiten, Ballonfahren, Fallschirmspringen, Wandern, Bergsteigen, Klettern, Schiabfahren, -langlaufen oder –touren gehen, Radfahren oder Joggen. Jedes Jahr am dritten Wochenende im Oktober starten mehrere tausend Läufer in St. Wolfgang zum 27 km - Rundlauf  durch die anderen Gemeinden am See: St. Gilgen und Strobl.





Einladende Restaurants und Jausenstationen sind reichlich vorhanden.
Im Frühling, Sommer und Herbst spiegeln die blumengeschmückten Häuser, Gärten und Wiesen die Schönheit der umgebenden Natur.


Durch die meistgespielte und verfilmte Operette mit Texten wie „Im Weissen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür“ oder „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“ wurde die fröhliche Mentalität der Einwohner fast legendär. Zur Tradition gehören der einheitliche Stil alter Bauernhäuser, die farbenfrohen Dirndlkleider der Frauen und bestickten hirschledernen Hosen der Männer, aber vor allem das fröhliche Musizieren und Tanzen.




Kulturgeschichtlich Interessierte finden vielerlei zu entdecken um den Wolfgangsee. Wer weiß, dass die Mutter Mozarts in St. Gilgen am 25. Dezember 1720 geboren ist? Am selben Tag wurde sie in der katholischen Pfarrkirche getauft, in der 1712 Mozarts Großeltern getraut worden waren. Im Geburtshaus der Mutter, dem ehemaligen Bezirksgericht, lebte die Schwester von Wolfgang Amadeus, die Pianistin ‚Nannerl’ (Maria Anna 1751-1829), von 1784 bis 1801 als Ehefrau des Pflegers (=Richters) Johann Baptist zu Sonnenburg. Dieser war Amtsnachfolger des Großvaters von Wolfgang Amadeus Mozart.
Im Musik-Instrumente-Museum der Völker in der Aberseestr.11 in St. Gilgen erwarten große und kleine Besucher ca. 2000 Musikinstrumente, die in verschiedenen Themenführungen beeindruckend vorgeführt werden.
Im selben Kulturhaus finden wechselnde Ausstellungen bedeutender Werke der ‚Zinkenbacher Malerkolonie’ statt. Zinkenbach ist eine Ortschaft am Gebirgsbach gleichen Namens, der zwischen St. Gilgen und Strobl in den Wolfgangsee fließt und Geröll an der Mündung ablagert, wodurch der Wolfgangsee in der Mitte immer enger wird. Dort, im heute Abersee genannten Ort, fanden zwischen 1927 und 1938 bis zu 27 Landschaftsmaler, z.B. Mitglieder der Wiener Vereinigung ‚Sezession’, ein Sommer- und auch teilweise Winterquartier (Rudolf Wacker, Greta Freist, Viktor Planckh, Wilhelm Träger…). Titel der Ausstellung 2017: „Einfache Wahrheit – Meisterwerke der Zwischenkriegskunst aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbank.“
Auch Dichter und Schriftsteller hielten sich am Wolfgangsee auf, wie zum Beispiel Marie von Ebner Eschenbach (1830-1916), die Sommer von 1889 bis 1898 in St. Gilgen verbrachte.
Auf dem Grundstück der Villa, wo sie wohnte, befindet sich heute die ‚International School St. Gilgen’ www.stgis.at.
Die Schauspieler Emil Jannings, Marika Röck, Theo Lingen besaßen je ein Wohnhaus in Strobl. 



Die überaus zahlreichen Tagestouristen gewinnen bei Führungen in die Wallfahrtskirche St. Wolfgangs einen Einblick in besonders kostbare Kunstwerke aus dem Mittelalter und aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der 1479 fertiggestellte Flügelaltar von Michael Pacher aus Brunneck in Südtirol blieb an seinem ursprünglichen Standort vollständig erhalten.  Der barocke Doppelaltar in der Mitte der Kirche mit dem Gnadenbild des Hl. Wolfgang aus der Zeit um 1400 in einem Schrein wurde von dem „Genie, Lebemann und Schelm“ Thomas Schwanthaler (1634 – 1707) gestaltet. Die reich geschmückte Kanzel, der Rosenkranzaltar neben dem Aufgang zur Wolfgangkapelle und der ‚Schmerzensmann’ zwischen zwei Seitenaltären stammen  vom Stiftsbildhauer des Klosters Mondsee Meinrad Guggenbichler (1649-1723).
Wer klassische Musik schätzt, sollte sich die ‚Internationalen Kirchenkonzerte’ dort in den Monaten Juli, August – jeweils Sonntag abends – nicht entgehen lassen.
Bei einem Rundgang durch das Zentrum von St.Wolfgang sind Renaissancebauten und Barockmalereien zu entdecken.


Besonders in Strobl und St. Gilgen blieben Villen aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Durch sie hielt städtische Wohnkultur in das Salzkammergut Einzug. Die Volkskultur der Region, sichtbar an Häusern, Kapellen, Wegkreuzen und Möbeln, zeigt die Natur- und Religionsverbundenheit vieler Generationen.
Bei einer Wanderung  oder Fahrt mit der Zahnradbahn auf den über 1700 m hohen Schafberg von St. Wolfgang aus erschließt sich bei Schönwetter ein überwältigender Rundblick auf Berggipfel, Gletscher, Seen und das hügelige Alpenvorland.


Zwischen den drei Wolfgangsee-Gemeinden verkehren seit 1873 Schiffe (heute 6 unterschiedliche Schiffe, das größte kann bis zu 365 Passagiere befördern). An einem der sieben Landestege auszusteigen, ein Stück am See entlang zu wandern und an der nächsten Anlegestelle wieder ein Schiff zu besteigen ist besonders reizvoll und vermittelt einen Eindruck von der reichen Vielfalt der Landschaft.



Die Freude an der Kreativität im Jahreslauf findet in der Advent- und Weihnachtszeit einen Höhepunkt. Besucher des Adventmarktes können in St. Wolfgang lebensgroße Krippenfiguren, die ein einheimischer Holzbildhauer geschnitzt hat, vor dem Pfarramt bestaunen. In Strobl wird der Adventmarkt ‚Krippendorf’ genannt.  Die  neun- bis zehnjährigen Schüler jedes Jahrgangs beginnen bald nach den Sommerferien mit Vorbereitungen für die Ausstellung ihrer selbstgebauten kleinen Krippen. In einer zweiten Krippenausstellung im Saal über der Raiffeisenbank sind alte und neue Künstler-Krippen und am See um den Musikpavillon lebensgroße Krippenfiguren zu bewundern. In St. Gilgen schweben über den Marktständen barocke Engel.



Die Schiffe verkehren auch in der Advent- und Weihnachtszeit zwischen den Wolfgangseegemeinden. Von weit sichtbar schwimmt auf dem See vor der Kirche von St. Wolfgang eine über sieben Meter hohe Laterne mit dem „Friedenslicht“.


Gastfreundliche Einwohner, gepflegte Hotels und viele Freizeitangebote rund um den See locken in den vier Jahreszeiten Besucher an den Wolfgangsee. Zum Beispiel können in einem mit moderner Wärmepumpentechnik beheizten Becken im See Gäste bei jeder Außentemperatur schwimmen.

Literaturtipp:

Der Urlauber am Wolfgangsee braucht auch auf regionale Lektüre nicht verzichten. Klaus Kurt Löffler hat heitere und spannende Detektivgeschichten geschrieben, die im Salzkammergut angesiedelt sind. Er hat die Region selbst als Urlauber erlebt und die Eindrücke in seinen Büchern verarbeitet. Seine Geschichten wenden sich an Kinder und Jugendliche, sind aber auch für Erwachsene interessant.



Klaus Kurt Löffler ist Jugendbuchautor und gibt eine Detektivreihe mit den Haupthelden Max und Micha heraus, die im Salzkammergut angesiedelt ist. Coole Junior-Detektive erwarten euch und Fälle, die das Herz öffnen. Spannend, ohne Gewalt zu verherrlichen. Die Junior-Detektive beweisen, dass zumeist schon das Köpfchen zur Lösung ausreicht. Auch der Humor kommt in den Geschichten nicht zu kurz. Ein Leseabenteuer für die ganze Familie. Bisher sind 16 Fälle als Print erschienen, ab Band 6 auch als eBook. Alle eBooks sind noch im 99 Cent Angebot. Mit KindleUnlimeted gratis.

Die Bücher können beim Verlag, im Buchhandel oder im Internethandel (z.B. Amazon) bestellt werden. Aber natürlich auch im Verkaufsshop des Autors, hier portofrei mit Widmung.

AMAZON: http://t.co/NjjWLkAO
AUTORENSHOP: http://maxundmicha.eu/


Leseprobe *AUF DER SUCHE NACH DEM VERSCHWUNDENEN MÄDCHEN*



Kapitel 8: Nachtwache
Die Schlottermühle lag erleuchtet unter ihnen und warf einen Lichtschimmer in die stockfinstere Nacht. War die Waldschlucht schon am Tage düster und bedrückend, so wirkte sie jetzt schauerlich und bedrohlich.
In der Finsternis hatten sie den schmaler Pfad kaum gefunden, der von den Gleisen der Schafbergbahn hinunter zur Mühle führt. Taschenlampen durften sie ja nicht benutzen. Hand in Hand tasteten sie sich vor, stolperten über Steine und Baumwurzeln. Feucht, zerkratzt und zerschunden erreichten sie endlich ihren Beobachtungsposten auf der gegenüber liegenden Bachseite. Micha hatte diesen Ort gewählt, weil sie von hier aus sowohl das Gebäude als auch die zur Höhle führende Schlucht überblicken konnten.
Nun saßen sie hier, eine Ewigkeit schon, wie es schien, frierend und entmutigt. Max war froh, dass er nicht allein war. Das nahm etwas von der Beklommenheit, die als schmerzhafter Druck auf der Brust saß. Micha ging mit der Situation gelassener um. Er hatte zwar auch, »das ist ja entrisch«, gemurmelt, was so viel wie unheimlich hieß, dann aber doch eine Ruhe und Zuversicht an den Tag gelegt, die nach den Umständen nicht gerechtfertigt war.
Als es hinter ihnen im Gebüsch knackte, schreckte Max zusammen. Wer oder was nahte da? Er konnte nicht leugnen, dass ihn die Finsternis mit Angst erfüllte, zumal ihm die Geistergeschichten des kleinen Mannes noch im Kopf herumspukten. Auch seine körperliche Verfassung ließ zu wünschen übrig. Er war nass, fror und hatte vom langen Warten steife Glieder. Er verfluchte, dass er sich bei dem Wetter überhaupt auf die Sache eingelassen hatte. Dabei hätte alles ganz anders sein sollen.
»Die Nacht ist für eine Beobachtung optimal«, hatte Micha gesagt, nachdem er Mondtabellen und den Wetterbericht studiert hatte. »Wir haben Vollmond! Da ist es taghell. Und es bleibt warm und trocken.« Das war alles ein frommer Wunsch geblieben. Der Mond hatte sich hinter schwarzen Wolken versteckt, sodass man die Hand vor den Augen nicht sehen konnte. Nur ab und zu rissen sie auf und gaben eine Vorstellung davon, wie hell es eigentlich hätte sein können. Zudem war es kalt geworden. Von Zeit zu Zeit kam von oben ein leichter Schauer. Er durchdrang die Blätter des Waldes kaum, erzeugte aber eine Feuchtigkeit, die durch die Ritzen der Kleidung kroch.
An der Mühle hatte sich vorerst nichts anderes getan, als dass ein Licht nach dem anderen erlosch, bis nur noch die Außenbeleuchtung brannte. Dass sich nichts ereignet hatte, stimmte nicht ganz. Gleich nachdem sie ihren Posten bezogen hatten, war ein Bekannter aufgetaucht. Auf der anderen Uferseite war der Geologe mit seinem Rucksack zur Schlottermühle hinabgestiegen und darin verschwunden. »Was will der hier?«, fragte Max. »Abendessen«, vermutete Micha. »Wir werden sehen, wann er das Gebäude wieder verlässt.« Das war dann aber nicht mehr geschehen.
Max sah auf die Armbanduhr und musste feststellen, dass es bereits halb zwei Uhr war. Langsam begannen die Glieder zu schmerzen und die Kälte drang immer tiefer in den Körper ein. Um sich zu wärmen, stand er auf und schlug die Arme um den Leib. Er wollte gerade vorschlagen, die Sache aufzugeben, als Micha ihn herunterzog und zischte: »Kusch, da kommt jemand den Weg herab!« Max ging sofort in Deckung. In der Tat waren vorsichtige Schritte zu hören, die von oben langsam näherkamen. Der Unbekannte versuchte ebenfalls, den steilen Pfad ohne Licht zu bewältigen. Das ging nicht ohne Flüche und Schmerzenslaute ab.
Unmittelbar an dem Gebüsch, hinter dem die Beobachter steckten, machte der Weg eine Biegung nach links. Der Hang fiel hier steil in den Bach ab. Im schwachen Licht, das die Außenbeleuchtung der Mühle heraufwarf, war sie kaum zu sehen. Der Ankömmling kannte oder erkannte die Kehre nicht. Vielleicht stolperte er auch nur an der falschen Stelle. Auf jeden Fall ertönte ein Schrei und Zweige brachen.
»Pfloatsch! Jetzt haben wir ein Problem!«, sagte Micha alarmiert. »Wenn wir nicht helfen, wird er uns die Tour vermasseln.« Mit zwei Sprüngen waren sie auf dem Weg. Hilferufe zeigten, wo sie suchen mussten. Der Passant war durch das Gesträuch gebrochen, das den Felsabsturz säumte, und hing nun, mit den Füßen im Gestrüpp verfangen, hilflos über dem Abgrund. Er war gerade dazu übergegangen, alle Schutzheiligen laut um Beistand zu bitten.
»Still!«, flüsterte Micha. »Wir holen dich raus, wenn du nicht die ganze Nachbarschaft aufweckst.«
Der Verunglückte verstummte und antwortete dann in gedämpfterem Tonfall, doch immer noch voller Panik: »Aber schnell! ... Mich halten nur ein paar Zweige!«
Micha kroch mit dem Kopf voran in das Gestrüpp. Als er den Unglücksraben erreicht hatte, packte er ihn an den Fußgelenken. Dann gab er Max ein Zeichen, der die beiden vorsichtig Zentimeter um Zentimeter zurückzog. Das ging nicht ohne Schrammen ab. »Halt die Pappen!«, schimpfte Micha halblaut, als jetzt wieder lautes Stöhnen ertönte. »Sonst lass ich los!« Das wirkte und das Jammern verstummte. Endlich war es so weit, dass Micha sich hinknien und den Rest allein erledigen konnte.
»Das war Hilfe in letzter Sekunde!«, flüsterte der Gerettete dankbar. Es war zu dunkel, um auszumachen, wer es war. »Wie kann ich mich erkenntlich zeigen?«
»Indem du weitergehst und so tust, als hättest du dich selbst aus der Patsche befreit«, erwiderte Micha. »Schimpfe und lamentiere halblaut weiter, damit man merkt, dass du dich entfernst ... Und bleib dann weg und gibt Ruhe.« Der Pechvogel zögerte noch. Erst als Micha hinzufügte: »Nun schleich dich!«, rappelte er sich auf und hinkte den Weg hinab, wo er kurze Zeit später die Brücke passierte. Im Licht der Hauslaterne erkannten sie ihn. Es war der kleine Mann mit Regenmantel und Baskenmütze, den sie am Montag kennen gelernt hatten.
»Es scheint tatsächlich ein Fluch auf ihm zu liegen«, lachte Max. »Jedes Mal, wenn wir ihn sehen, hat er einen Unfall ... Und es wird schlimmer.«
»Ich frage mich, was er bei diesem Wetter des Nachts in der Schlucht will«, erwiderte Micha. »Er sollte von solchen Abenteuern langsam die Nase voll haben.«
»Hoffentlich hat er uns nicht alles verdorben«, bemerkte Max. Das war nicht ehrlich. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte man die Sache sofort abgebrochen.
»Das werden wir gleich sehen«, gab Micha zurück. »Ich schlage vor, wir warten noch eine halbe Stunde.«
Max nickte missmutig. Micha hatte Recht. Sie hatten ihre Anwesenheit wohl nicht verraten. Der Lärm hatte sich auf ein Mindestmaß beschränkt. Wenn Ruhe eingetreten war, würde sich dort unten vielleicht doch noch etwas tun.
Dann ging alles überraschend schnell. Als Micha ihn am Ärmel zupfte, sah Max es auch: Eine dunkle Gestalt kam mit einem Sack auf der Schulter um die Schlottermühle herum. Sie war in einen langen Mantel gehüllt und hatte einen breiten Hut tief ins Gesicht gezogen. Es schien ein Mann zu sein. Mehr war im trüben Schein der Hauslaterne nicht zu erkennen. Von der Größe her konnten es der Wirt, Zigahn oder auch der Geologe sein.
»Er kommt herauf«, flüsterte Micha, »wir postieren uns besser etwas höher, um zu sehen, wo er hingeht.« Die Jungen huschten den Weg hinauf, durch die Kehre von der Einsicht von unten geschützt. Oben am Bahndamm, wo der Pfad ein Stück an den Gleisen entlangführt, versteckten sie sich im Gebüsch. Zum Glück drang gerade das Mondlicht durch die Wolken, sodass die Beobachtung erleichtert wurde. Es dauerte nicht lange, bis der Vermummte ankam. Er schien jemanden zu erwarten; denn er machte ebenfalls am Bahnkörper Halt, setzte seinen Sack ab und sah prüfend in die Runde. Dann ließ er eine Taschenlampe aufblinken und schaute auf die Armbanduhr. Kurz darauf wurde in der Ferne das leise Dröhnen von Rädern hörbar.
In der Dunkelheit leuchteten plötzlich zwei gelbe Augen auf, die einen milchigen Schein auf die Schienen warfen, während die Maschine ihre Geschwindigkeit drosselte. »Eine Draisine«, erklärte Micha leise. »Man braucht sie für Reparaturarbeiten.« Als das Gefährt das Versteck der Jungen passiert hatte, hielt es an. Ein Lichtkegel suchte den Schienenrand ab und eine Stimme rief halblaut in gebrochenem Deutsch: »Miron, ... du da?«
Der Vermummte trat an das Gleis heran. »Lösch das Licht. Wir können keine Zuschauer gebrauchen!«
»Kein Angst! ... Niemand da in Nacht schwarzer!«, lautete die unbekümmerte Antwort.
»Ich weiß nicht! ... Vor kurzem kam ein Passant entlang. Außerdem war es mir so, als hätte ich zwei Schatten den Weg hinaufhuschen sehen. Mach besser das Licht aus.«
Darauf verlöschten die Lampen des Fahrzeugs schlagartig. »Dann wickeln ab wir Geschäft schnell«, sagte der Ausländer auf der Draisine beunruhigt und wesentlich leiser. »Wo ist Ware?«
»Hier!« Der Vermummte fasste in den Sack.
In diesem Moment ging ein Scheinwerfer an und eine Lautsprecherstimme rief: »Hier spricht die Zollinspektion! Lassen Sie den Sack fallen und nehmen Sie die Hände hoch! Vorsicht: Es wird scharf geschossen!«
Die Männer standen einen Moment wie versteinert. Dann warf der Ausländer auf der Draisine den Motor an und fuhr mit voller Beschleunigung wieder rückwärts den Berg hinauf. Gleichzeitig sahen die Jungen dort, wo der Komplize mit Hut stand, einen Mündungsblitz und hörten ein Krachen. Micha gelang es noch, Max von den Beinen zu reißen. Der Kerl feuerte die Pistole noch ein zweites Mal ab, sprang dann mit einem Satz in den Wald und brach bergabwärts - mehr rutschend als laufend - durch das Unterholz.
»Das war knapp«, sagte Max, als er sich vom Boden aufraffte. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Bande gleich schießen wird. Aber wo bleibt die Zollinspektion?«
Micha lachte: »Die hat sich durch mich vertreten lassen.«
»Durch dich vertreten lassen?!«, wiederholte Max verblüfft. »Heißt das, DU hast gerufen? ... Aber der Lautsprecher und der Scheinwerfer!«
»Ich hatte mich für alle Fälle damit ausgerüstet. Du hast dich ja über meinen großen Rucksack gewundert.«
Micha öffnete dann den sichergestellten Sack. »Sieh da!«, sagte er nach einer Untersuchung ... »Zigaretten aus Osteuropa ohne Banderole! Da haben wir Entführer gesucht und Schmuggler gefunden. Aber vielleicht hängt es zusammen.«



©byChristine Erdic

Dienstag, 19. September 2017

Island: Heimat der Elfen und Trolle

Das gibt es nur auf Island: Elfen-Guides und Troll-Stadtpläne zeigen Touristen die Orte, an denen die Kobolde und Elfen wohnen. 


Das Bauamt der Hauptstadt Reykjavík beschäftigt eine Elfenbeauftragte, Erla Stefánsdóttir, die in Stadtplänen und Landkarten elfenverdächtige Stellen markiert. 


In Islands drittgrößter Stadt Hafnarfjörður, einem Hafenstädtchen in der Nähe von Reykjavík lässt es sich gut leben – nicht nur für Menschen: Hafnarfjörður soll nämlich die größte und vielfältigste Population von Elfen, Gnomen, Trollen und dem „Huldufólk“ – dem „Verborgenen Volk“ – auf der Insel beherbergen. Sogar die Elfenkönigin soll sich hier niedergelassen haben. Die Wesen aus der anderen Dimension hausen überall, in den Vorgärten der schicken Meerblick-Häuser, zwischen Steinbrocken und im Höhlengarten Hellisgerði, einem alten Lavafeld.(Quelle: https://www.welt.de/)



Auf Island ist der Glaube an die Elfen noch immer vorhanden. Inmitten der wilden Natur der zerklüfteten Vulkaninsel soll sich das kleine Volk verbergen. Und manchmal spielt es den Menschen eben einen Streich.


Unglaublich, aber wahr: Mehr als die Hälfte der isländischen Bevölkerung glaubt an Elfen. Und immerhin neunzig Prozent hält deren Existenz für möglich. Kein Wunder in einer Landschaft, die einem Fantasy-Roman entsprungen zu sein scheint.


In den Westfjorden können am helllichten Tage dichte Nebel aufkommen, die einem die Orientierung nehmen. Plötzlich scheint ein Stein menschliche Umrisse zu haben. Handelt es sich  hier vielleicht gar doch  um einen Troll, der den Sonnenaufgang vergessen hat und bis ans Ende aller Tage versteinert bleiben muss?



Das Bauministerium von Island geht mit Vorsicht um, wenn eine neue Straße oder ein Haus in Planung ist. Zu gut ist die Geschichte in Erinnerung, als ein Felsbrocken für die Erweiterung einer Hühnerfarm gesprengt werden sollte. Angeblich hörten die Hühner auf, Eier zu legen, so dass der Betrieb verkauft werden musste.
Der neue Besitzer verwarf die Sprengungspläne und konnte sich nie über zu wenige Hühnereier beklagen. Der Fels, bei dem es sich um ein Elfenhaus handeln soll, ist heute nationales Kulturgut des staatlichen Museums.


. An der "Álfaskólin", der Elfenschule in Islands Hauptstadt Reykjavík, kann man alles über die frechen Naturgeister erfahren. Seit 1995 leitet der Historiker Magnús Skarphédinsson die Schule und bietet halbtägige Ausflüge an. An deren Ende bekommt man eine Urkunde überreicht. Vorausgesetzt, man schließt das Elfenschulentraining erfolgreich ab.


In Hafnarfjörður, einer kleinen Stadt in der Nähe von Reykjavik, lebt Ragnhildur Jónsdóttir, ihr Beruf: Seherin. Die 56-Jährige sagt, sie könne das versteckte Volk sehen, sogar mit dem Huldufólk sprechen. In einem Lavafeld, durch das eine neue Straße gebaut werden sollte, hätten Elfen der Seherin gezeigt, dass dort ihre Elfenkirche sei:
"Ich fand in dieser Angelegenheit eine Umweltschutzgruppe, der ich mich anschloss. Wir haben dann in dem Lavafeld protestiert, damit die Straße die Elfenkirche nicht zerstört."



Rücksicht auf die Elfenkirchen
Die Umweltschutzgruppe "Friends of Lava" und Jonsdottir arbeiteten in dieser Sache Hand in Hand und aktivierten Hunderte Isländer, die Baustelle zu blockieren. Mit Erfolg, das Bauprojekt wurde eingestellt. Nicht unüblich in Island: Die Straßenverwaltung geht mittlerweile routiniert mit den Elfenprotesten um und findet Kompromisse: Straßen werden verlegt oder machen ungewöhnliche Schlenker, um vorhandene Elfenhäuser nicht zu zerstören.


Wer Interesse an einer individuellen Islandreise hat, der ist hier bestens beraten:

Island
Lichtspiel am nordischen Himmel


Reise-Highlights
Ausführliche Besichtigung besonderer, magischer Kraftorte
Sie entdecken die faszinierende Natur Islands in all ihren Facetten
Beste Reisezeit, um die leuchtenden Nordlichter zu sehen
Treffen mit einer Seherin und Führung durch den Stadtpark in Hafnarfjörður, wo zahlreiche Naturwesen hausen
Durchgehende Reiseleitung durch den ausgewiesenen Island-Experten Götz Dietrich Knosp
Exklusive Kleingruppe - Maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen
Weitere Infos unter



Literaturtipps:
Erlas Elfengeschichten: Die »isländische Elfenbeauftragte« erzählt
Sie wurde als 'Elfenbeauftragte' bezeichnet, was zwar kein offizieller Titel ist, aber es stimmt: Erla Stefánsdóttir ist hellsichtig und kann Naturwesen sehen. Sie hat auch verschiedentlich geholfen, wieder Frieden zu stiften zwischen den Menschen und Naturgeistern. Dieser unterhaltsame, gleichwohl zum Nachdenken anregende Band enthält skurrile und lustige, manchmal aber auch melancholische und anrührende Geschichten und Anekdoten aus einem an seltsamen Erlebnissen reichen Leben.


Produktinformation
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Neue Erde; Auflage: 1 (12. September 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3890605931
ISBN-13: 978-3890605937
Größe und/oder Gewicht: 12,3 x 1,3 x 18,5 cm

Für Kinder:
Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Kobolde 
Dieses Buch lädt den Leser mit seinen märchenhaften und lehrreichen Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Feen zu einer Reise in die bunte Welt der Fantasie ein. Mit seinen lustigen Ausmalbildern ist es für Kinder ebenso geeignet wie für all jene, die im Herzen jung geblieben sind.


Produktinformation
Taschenbuch: 80 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (18. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3735790720
ISBN-13: 978-3735790729
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 5 - 8 Jahre
Größe und/oder Gewicht: 18,9 x 0,4 x 24,6 cm

Mit Nepomuck auf Weltreise
Wie funktioniert eigentlich ein Heißluftballon, und wie leben die Eskimos heute? Was passiert, wenn ein norwegischer Kobold auf einen irischen Leprechaun trifft, und was kann man im Karina-Verlag so alles anstellen? Begleitet den lustigen Kobold Nepomuck auf seinen Reisen durch Europa, Asien, Amerika, Afrika und Australien und lernt Menschen, Tiere und verschiedene Kulturen hautnah kennen. Folgt ihm auf den Spuren der Hobbits, und werft mit ihm seinen ersten Bumerang. Die tollsten Abenteuer warten auf euch, denn wo Nepomuck sein Unwesen treibt, da wird es nie langweilig!


Produktinformation
Gebundene Ausgabe: 140 Seiten
Verlag: Nova MD; Auflage: 1., Erstauflage (12. Mai 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3961112762
ISBN-13: 978-3961112760
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
Größe und/oder Gewicht: 15 x 1,7 x 21 cm

Leseprobe aus dem Buch
Im Land der Geysire und Elfen
„Das ist ein Geysir”, erzählt Björk, „man nennt ihn Strokkur (Butterfass), und er ist sehr aktiv, wie du siehst.” Der Strokkur ist wirklich etwas ganz Besonderes, findet Nepomuck. Plötzlich bildet sich eine schöne blaue Blase auf dem Wasser, und dann schnellen die Wassermassen bis zu 35 Meter hoch in die Luft!
„Der Strokkur ist sehr zuverlässig”, grinst Birta. „Er lässt etwa alle 10 Minuten eine Wassersäule hochschießen, aber beim “Großen Geysir” kann man darauf manchmal warten, bis man schwarz wird.”
Nepomuck muss lachen, denn er stellt sich gerade bildlich vor, wie die Leute beim Warten alle schwarz anlaufen.
„Und wie entsteht so ein Geysir?”, erkundigt er sich.
„Ganz einfach”, erklärt Björk, „das Wasser wird durch das heiße Vulkangestein aufgeheizt und dann durch den entstehenden Druck in die Luft geschleudert.”
„Da möchte ich lieber nicht baden”, entscheidet das Kerlchen grinsend.
„Das ist auch besser so. Sonst erleben wir noch einen fliegenden Nepomuck!” Birta will sich ausschütteln vor Lachen.
„Es gibt aber noch eine Anzahl kleinerer heißer Quellen hier im Haukadulur, in denen man tat-
sächlich baden kann! Sogar im Winter, wenn die Außentemperatur unter null Grad beträgt!“, bemerkt Erik.
Das alles ist so aufregend für den kleinen Kobold, dass er jetzt richtig Kohldampf bekommen hat. „Mein Magen knurrt”, nörgelt er vorwurfsvoll. Mutter Iris schaut auf die Uhr. „Oh, ja, es wird auch langsam Zeit für einen Imbiss. Im Auto warten Stullen und Saft.”
Hoffentlich sind die Brote nicht mit Fisch belegt, denkt Nepomuck und gruselt sich bei dieser Vorstellung. Doch zu seiner Erleichterung sind sie das nicht. Mit gesundem Appetit beißt er in ein Marmeladenbrot und lauscht mit glühenden Wangen Vater Erik, der von der „Elfenbeauftragten“ Erla Stefánsdóttir berichtet, die von den isländischen Baubehörden gern hinzugezogen wird, sofern eine neue Strasse gebaut werden soll. „Erla weiß genau, wo sich die Naturwesen angesiedelt haben, und das ist gut so, denn Elfen können sehr böse reagieren, wenn man in ihr Gebiet eindringt. Oftmals musste schon völlig umgeplant werden, weil sich bei Nichtbeachtung seltsame Unfälle ereigneten. Da ist es schon besser, die Straßen gleich um die Behausungen der Elfen und Trolle herumzubauen.“
Heute habe ich viel gesehen und gelernt, denkt Nepomuck.
Zufrieden und schläfrig lümmelt er sich auf dem Rücksitz, während der Wagen langsam Richtung Reykjavik rollt.



©byChristine Erdic 

Donnerstag, 27. Juli 2017

Straßburg – Wo die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft

Straßburg, jene geschichtsträchtige Stadt im Elsass, die sich mal in deutschem und mal in französischem Besitz befand, ist unbedingt einen Besuch wert. Da sie recht zentral liegt, eignet sie sich auch für eine Stippvisite mit Weiterfahrt auf der berühmten Weinstraße in Richtung Colmar.


Im schönen Altstadtviertel „Petit France“ laden kleine romantische und doch recht lebendige Gassen mit historischen mehrstöckigen Fachwerkhäusern zum Bummeln ein. 


Hier gibt es zahlreiche gemütliche Restaurants (der leckere Flammkuchen ist ein Muss!) und gediegene, winzige Läden, die allerlei landestypische Überraschungen bereithalten, zu entdecken.







Kein Weg führt am „Liebfrauenmünster zu Straßburg (Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg)“ vorbei.
Das Münster ist ein römisch-katholisches Gotteshaus und gehört laut Wikipedia zu den bedeutendsten Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte sowie zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Es hat viele Künstler wie Goethe inspiriert und ist das Wahrzeichen der französischen Metropole.



Der Aufstieg auf die Kathedrale erfordert angesichts der langen Warteschlange Geduld, wird jedoch mit einem wunderschönen Blick über die Stadt belohnt.


Seit dem Jahrtausendwechsel wird das Münster permanent restauriert. Die aufwendigen Restaurationen werden vom französischen Staat als Eigentümer und der Fondation de l'Œuvre Notre-Dame finanziert. Das Straßburger Münster hat sowohl von der Fassade als auch von der sakralen Inneneinrichtung viel zu bieten.


Seit 1015 wurde das Straßburger Münster gebaut, zuerst im romanischen Baustil. Aus der romanischen Zeit stammen bekannte Objekte wie der Alter und der Chor oder auch der halbkreisförmige Raumgrundriss. Typisch waren Wölbungen in der römischen Architektur, die im Münster sehr prägend eingeflossen sind. Neben den römischen Baustilen vereint die Straßburger Kathederale auch viele gotische Fassadenelemente. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde mit dem Bau des Langhauses im gotischen Stil begonnen. Das 16. Jahrhundert prägte das Münster in der Architektur der Renaissance.


Zu den architektonischen Highlights der Kathedrale gehören vor allem die fünf Portale, die unter anderem in romanischen und gotischen Stilen erbaut wurden. Die Portale sind geschmückt mit Motiven wie der Marienkrönung am Portal des südlichen Querhauses. Das Münster ist besonders wertvoll durch die vielen Baustile und Christenmotiven, so dass man viele Stunden die Kathedrale bewundern kann. Viele Künstler kamen in der Geschichte nach Straßburg, um die einzigartige Architektur zu studieren und sich in ihrer Arbeit inspirieren zu lassen. Seit ein paar Jahren werden Gebäudeabschnitte sehr umfangreich restauriert. 

Im etwas mittelalterlich anmutenden Straßburg befinden sich übrigens Europarat, Europäisches Parlament sowie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.


Die Europabrücke, die Kehl mit Straßburg verbindet, ist ein Zeichen der französisch-deutschen Aussöhnung und auch ein bauliches Zeichen für das zusammenwachsende Europa, das Deutschland und Frankreich maßgebend gestaltete. 

Ein besonderes Erlebnis bietet Straßburg in der Weihnachtszeit mit seinen bunten Weihnachtsmärkten.


An Weihnachten verwandelt sich Straßburg in eine andere Stadt - von der heimeligen Stadt am Ill wird es zum Winterwunderland und zeigt sich von einer besonders glanzvollen Seite: Die Gassen und Gebäude werden reich geschmückt und verzaubern Straßburg. 



Übrigens: Der Straßburger Weihnachtsmarkt gilt als einer der ältesten Europas, er fand zum ersten Mal im Jahr 1570 unter dem Namen "Christkindelsmärik" statt. Genießen Sie also die Weihnachtshauptstadt Straßburg in vollen Zügen, wenn Sie zu Besuch sind. 


Einen Blick sollte man auch auf den "Grand Sapin" werfen, den prächtigen Weihnachtsbaum auf dem Place Kléber. Der Weihnachtsmarkt ist ab dem 24. November jeden Tag von 11 bis 20 Uhr geöffnet, an Heiligabend bis 18 Uhr.


Im Elsässischen Museum -  Museé Alsacien bekommt man als Abrundung noch einen umfangreichen Einblick in das Leben der Einwohner in längst vergangenen Zeiten.



Literaturtipp: Mystica Venezia

Christina Maria schaute verträumt zu dem reich verzierten Portal der großen Kathedrale auf. Die Gargoyles zogen sie regelrecht in ihren Bann.


 Überhaupt, diese Stadt! Straßburg hatte etwas an sich, sie konnte es nicht erklären. Etwas beinahe Mystisches lag über dem Ort, vor allem aber über dem imposanten Bauwerk mit seinen interessanten Figuren, die es von außen schmückten.
Giuseppe lachte. 
Er hatte seine Geliebte schon geraume Zeit amüsiert beobachtet.
„Nun meine Duca, wie gefällt dir Straßburg?”
Christina drehte sich einmal um sich selbst, dass ihre Röcke flogen, und breitete die Arme weit aus.
 „Gefallen? Es ist einfach himmlisch! Die schönste Stadt, die ich je gesehen habe!”
Giuseppes Augen blitzten vor Vergnügen.
„Sagst du das nicht jedesmal, Julietta? Egal wohin ich dich auch führe, alles ist himmlisch in deinen Augen. Könnte es vielleicht an meiner Wenigkeit liegen, dass dir alles in einem ganz besonderen Glanz erscheint?”
„Sicher, sogar im Profundum, jener sagenumwobenen Unterwelt, würde ich ein Paradies sehen, wenn du nur bei mir bist”, entgegnete sie ein wenig spöttisch und zog eine Augenbraue hoch. Dennoch steckte mehr als ein Körnchen Wahrheit in dieser Aussage, das wussten sie beide.
„Sag das nicht zu laut. Du könntest als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen landen. Wir leben in gefährlichen Zeiten.” Beschwörend legte er ihr die Hand auf den Mund und sah sich vorsichtig um. Christina lachte unbekümmert auf und wurde dann plötzlich ernst.
„Versprich mir, dass du mich nie verlässt, Giuseppe. Ich wär verloren ohne dich …”
Ein Schatten fiel über sein Gesicht, und er wandte sich kurz ab. Dann sah er sie traurig an, mit einem Blick voller düsterer Vorahnungen, wie es ihr schien.
„Ich wünschte, ich könnte es versprechen, geliebte Duca. Doch ich kann es nicht. Wer kann schon wissen, wohin das Schicksal uns treibt? Lass uns genießen, was uns der Augenblick beschert. Einmal, da hatten wir große Pläne, dachten, wir könnten das Geschick dieser Welt lenken. Doch nun scheint alles so sinnlos zu sein. Schau dir die Menschen in all ihrer Kleingeistigkeit an. Sie leben hinter einer Fassade aus Religiösität und Selbstgerechtigkeit. Sieh hinter den Schleier aus schillerndem Glanz, Julietta. Was entdeckst du?”
Sie sah ihn fragend an.
„Ich weiß nicht … es gibt Glanz und Armut, ja … aber …”
„Nein, Julietta!”, er schüttelte unwillig den Kopf.
„Hinter dem Schleier lauern Intoleranz, Unwissenheit und Verderben. Es wird wieder geschehen, dass Menschen, die anders denken, verfolgt und verbrannt werden. Irgendwo liegt der Stein verborgen. Doch mir scheint, die Menschheit ist noch nicht bereit. Wird sie es je sein?”
Unglücklich sah sie ihn an.
„Eben hast du noch gesagt, wir sollen den Augenblick leben und genießen, und nun verdirbst du ihn!” Sie fühlte Wut in sich aufsteigen. Plötzlich war der Zauber dahin. Warum versank Giuseppe plötzlich in so düsteren Ahnungen? Was wusste er?
„Giuseppe, wir müssen das beste aus diesem Leben machen. Was kümmert uns die Zukunft? Vielleicht fällt uns morgen ein Stein auf den Kopf oder ein Komet zertrümmert die Erde. Sollen wir in ewiger Angst leben, dass etwas passieren könnte?”
„Du hast ja Recht, Julietta. Leben wir!” Er lächelte. „Du bist eine gute Lehrmeisterin für mich. Schön, dass es dich gibt.”
Gedankenverloren sah er zu der Kathedrale auf.
„Das Münster hat fünf Portale und viele mystische Figuren aus dem alten Testament. Weißt du, was Marco gesagt hat?”
Sie schüttelte verneinend den Kopf, wenig erpicht auf irgendeine Aussage von Marco. Immer wieder dieser Marco!
„Es gibt hier ein Zeittor, das müsste sich irgendwo am rechten Portal der Westfassade befinden, dort wo auch die Figur des „Fürsten der Welt” ist. Allerdings weiß wohl niemand genau, in welche Epoche dieses Tor führt. Also ist Vorsicht geboten. Doch sollte mir jemals etwas geschehen, oder sollte dir Gefahr drohen, dann …”
Er vollendete seinen Satz nicht.
„Komm, ich zeige dir das Portal,” sagte er und zog Christina Maria entschlossen mit sich.
„Sprich nicht so, du machst mir Angst. Sollte dir je etwas geschehen, ist ohnehin egal, was mit mir passiert.” Unwillig befreite sie sich aus seinem Griff.
„Du hast noch ein anderes Leben, in das du zurückkehren kannst. Venedig ist der sicherere Weg, aber solltest du aus irgendeinem Grunde nicht dorthin gelangen können … nun, ich werde dir weitere Zeittore in Europa zeigen für den Notfall”, entgegnete er ruhig.
Christina Maria sah skeptisch zu dem Gargoyle zu ihrer Rechten empor, er schien plötzlich zu grinsen, wirkte so lebendig, dass ein Schauder über ihren Rücken fuhr.
„Lass uns weitergehen”, sagte sie leise. „Es gibt noch so viel zu entdecken in dieser schönen Stadt.”

Ende der Leseprobe aus Mystica Venezia


Eine verschwundene Braut, ein Sensenmann als Gondoliere, eine blinde Malerin, ein seltsames Zeichen an einer Mauer und ein geheimnisvoller Orden, Guido hat sich seine Hochzeitsreise nach Venedig dann doch etwas anders vorgestellt. Verzweifelt macht er sich gemeinsam mit seiner Schwägerin Ana Karina in den Wirren des Karnevals, der durch die engen Gassen der Lagunenstadt tobt, auf die fast aussichtslose Suche nach Christina Maria und stößt dabei auf eine uralte Legende.

Produktinformation
Taschenbuch: 264 Seiten
Verlag: Karina-Verlag (13. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3903056707
ISBN-13: 978-3903056701
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 1,7 x 20,8 cm
Überall im deutschen Buch- und Onlinehandel sowie im Karina-Verlag.




©byChristine Erdic