Freitag, 6. September 2024

Ausflug ins Mittelalter

 

Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten? Dann besuchen Sie doch einmal einen Mittelaltermarkt oder ein Mittelalterfest. 




In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es da ein reichhaltiges Angebot mit unterschiedlichen Veranstaltungen.




Hier mal die nächsten Termine für Schnellentschlossene:

https://www.mittelalterkalender.info/


Aber auch in der dunkleren Jahreszeit gibt es noch Möglichkeiten, einen Mittelaltermarkt zu besuchen. Die Termine entnehmen Sie hier:

https://www.mittelalterkalender.info/mittelaltermarkt/mittelalterfeste-2024-nach-bundesland.php






Der wohl größte Mittelaltermarkt Deutschlands findet auf Burg Rabenstein statt.

Zweimal im Jahr begibt man sich auf Burg Rabenstein auf eine spannende Zeitreise zurück ins Mittelalter. Geboten wird ein umfangreiches Programm von Aktionskünstlern und Gauklern mit Jonglagen, mittelalterlichen Feldschlachten und Schaukämpfen, Puppentheater für die Kinder und jeweils eine große Feuershow am Abend bei Einbruch der Dunkelheit.

Historische Gruppen aus ganz Deutschland lagern vor der Kulisse der 800 Jahre alten Burg, Händler und Handwerker wie Schmiede, Drechsler, Bader, Korbflechter, Zinngießer, Löffelschnitzer und viele andere geben Einblick in längst ausgestorbene Berufe des Mittelalters. Natürlich dürfen Kinder und Erwachsene sich auch selbst in diesen Handwerken, z.B. beim Filzen, Schmieden und Holzgestalten versuchen.

Quelle: https://www.burg-rabenstein.de/ausflugsziel/mittelaltermaerkte

 



Buchtipps zum Thema historische Romane:

 

Der Schrei der Elster




Man schreibt das Jahr 1632, und die Pest wütet in Europa. Während die Menschen in den Ballungszentren der großen Städte dahinsiechen, suchen Regierung, Kirche und Gesellschaft nach Schuldigen. Jeder, der sich von der Masse unterscheidet, gerät schnell in Verdacht und somit in Gefahr, auf dem Scheiterhaufen zu landen. Sogenannte Hexenprozesse zwingen unschuldige Menschen unter unerträglicher Folter, falsche Geständnisse abzulegen. Betroffen sind in erster Linie jene Frauen, deren einziges Vergehen darin besteht, sich mit Kräutern und Heilsalben auszukennen oder die Zukunft vorhersehen zu können. Es ist das Zeitalter der Inquisition, die über Jahrhunderte hinweg ihre blutigen Opfer fordern soll. Die Heilerin Brunhilde gerät in den Verdacht der Hexerei und muss mit ihrer Tochter Maria aus der Stadt fliehen. Beim fahrenden Volk finden sie Unterschlupf, doch schon bald sollen sich Marias Albträume auf grauenhafte Weise erfüllen

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3753416397


Lesepobe aus dem Buch

Brunhilde wusste, dass es gefährlich war. Die kleine Behausung lag am Rande der Stadt, und vorsichtshalber hatte sie die Fenster verdunkelt, um das Flackern der vier weißen Kerzen zu verbergen. Eine Kerze für jede Himmelsrichtung. Die etwa dreißigjährige Frau war mit einem weißen Gewand bekleidet und trug ihr langes dunkles Haar offen. Langsam erhob sie die Arme und sagte mit leiser anklagender Stimme: „Oh Hel, schau, was mit deinen Töchtern geschieht. Deine Wiege wird ihnen zum Grab und dein Weg ein glühender Pfad voller Schmerzen. Ich flehe dich an, im Namen Freyas, erhöre meine Bitte, und gib mir eine Antwort.“

Die Kerzen flackerten stärker, und durch die undichte Tür wehte ein kalter Wind. Das kleine Mädchen neben ihr hielt eine Schale mit Wasser hoch über den Kopf und fröstelte in ihrem dünnen Kleid aus grobem Leinenstoff. Das Haar reichte ihr bis an die Hüften und hatte fast den gleichen Farbton wie das naturfarbene Leinenkleid. Eine Sache, die in den Augen der Nachbarn seltsam war. Wie kam die Frau mit den dunklen Locken zu einem so hellhäutigen und blonden Kind?

Maria war alles, was ihr geblieben war, nachdem ihr Mann vor zwei Jahren von der Pest dahingerafft wurde. Irgendwie schaffte es Brunhilde, sich und die Kleine durch Gelegenheitsarbeiten durchzubringen. Das Herstellen ihrer Heilsalben aus Kräuterextrakten war inzwischen zu einer gefährlichen Angelegenheit geworden, und sie verkaufte nur noch an Stammkunden. Doch selbst da konnte man sich nicht sicher sein, und lieber verzichtete sie bei einer zahlungsunfähigen Abnehmerin auf das Geld, als sich diese zum Feind zu machen.

„Mama, es klopft!“ Brunhilde wurde aus ihren Gedanken gerissen und blies geschwind die Kerzen aus. Maria wartete, bis ihre Mutter alles in einer großen Holztruhe verstaut hatte und ging dann langsam zur Tür. „Wieso verdunkelt Ihr denn so früh? Ich dachte schon, es sei niemand daheim.“ Eine gebeugte alte Frau kam herein, und Brunhilde atmete erleichtert auf.

„Wartet Mutter Brehm, ich zünde nur ein Licht an“, sagte sie und lächelte freundlich. „Was kann ich für Euch tun?“

 Die alte Frau litt seit langem an heftigen Rückenschmerzen, und Brunhilde hatte da genau die richtige Salbe.

„Ich komme, um Euch zu warnen.“ Das hutzelige Mütterchen hob sorgenvoll den Kopf und schaute der Jüngeren in die Augen.

„Man ist nicht gut auf Euch zu sprechen im Ort. Manch einer behauptet gar, Ihr steht mit dem Teufel im Bunde.“ 

„Ihr wisst, dass dem nicht so ist. Ich versuche nur, den Menschen zu helfen und ihnen die Schmerzen zu nehmen. Ansonsten verrichte ich mein Tagwerk wie jeder andere hier auch. Ich besuche regelmäßig die Gottesdienste und lasse mir nichts zu Schulden kommen“, erwiderte Brunhilde mit ruhiger Stimme.

„Ja mein Kind, ich weiß. Wenn ich es nicht wüsste, käme ich nicht hierher, um Euch zu warnen. Ihr solltet die Stadt gleich morgen in der Früh verlassen. Sie richten schon neue Scheiterhaufen außerhalb der Stadtmauern. Gestern hat die Erna aus der Gruberstraße gestanden und unter der Folter Euren Namen genannt …“

„Habt Dank Mutter Brehm. So werden wir denn die Stadt verlassen müssen, unser kleines Haus und das Wenige, was wir besitzen. Es geht auch um das Leben meiner Tochter, nicht nur um meines. Was soll aus ihr werden, wenn sie mich in den Kerker werfen?“ Schützend legte Brunhilde den Arm um die Schultern des kleinen Mädchens, dessen Augen vor Schreck weit geöffnet waren.

Nachdem Mutter Brehm mit einem Tiegel Kräutersalbe die Hütte verlassen hatte, machten sich Brunhilde und Maria ans Packen. Viel war es nicht, was sie mitnehmen konnten, nur das Nötigste, verpackt in Leinenbeutel. Auch die große Truhe musste zurückbleiben, nachdem ihr die wichtigsten Utensilien entnommen worden waren.

Mit einem letzten Blick in den armseligen Raum, der ihnen dennoch so viele Jahre Heimat gewesen war, schlossen Mutter und Tochter im Morgengrauen die Tür hinter sich. Ein neuer Weg lag vor ihnen, niemand wusste, wohin er führen und wie er enden würde: Ihre Flucht hatte begonnen.

Die Stadttore, die nachts aus Sicherheitsgründen verschlossen wurden, waren bereits geöffnet, und die Land- und Feldarbeiter konnten ebenso passieren wie die Grubenarbeiter und die Händler mit ihren Karren. Brunhilde und Maria mischten sich unter das bunte Volk und gingen ungehindert an den Torwachen vorbei. Die kontrollierten eher jene, die in die Stadt hineinkamen. Beide atmeten auf, als sie die Stadtmauern hinter sich gelassen hatten, aber auch jetzt galt es, vorsichtig zu sein.

 

Der Vogel hatte seine Schwingen ausgebreitet und schwebte mehr als dass er flog. Schwarz wie Lack und weiß wie Schnee glänzte sein Gefieder in der Morgensonne.

„Tschiriiiiiiiiiiik“, klang es fast zärtlich. Maria streckte die Hand aus, und die Elster landete geschickt auf ihrer Schulter.

„Da bist du ja, Elsa“, sagte sie erfreut. Der Vogel legte seinen Kopf zur Seite und betrachtete Maria aufmerksam mit seinen schwarzen Augen. „Wo hast du nur gesteckt? Ich habe schon befürchtet, du würdest uns nicht wiederfinden!“

Ihre Mutter lächelte nachsichtig.

„Elsa würde uns überall finden. So hat Hel meine Bitte erhört und uns durch ihren Boten erneut ein Zeichen ihrer Verbundenheit und ihres Schutzes gegeben.“

„Ist Elsa ein Bote Hels?“ Maria war etwas verwundert, denn seit der Vogel vor ein paar Monaten entkräftet vor der Tür gelegen und sie ihn aufgepäppelt hatte, war er handzahm geworden und kehrte immer wieder zu dem kleinen Haus am Stadtrand zurück.

„Elstern gelten als Götterboten, aber sie verkünden auch Unheil und Tod, sagt man. Hel selbst wird von Elstern begleitet und ist auch bekannt als germanische Göttin des Todes und der Unterwelt.“

Das war unheimlich, und das Kind schauderte. Es schaute zweifelnd auf Elsa, die sich mit ihrem scharfen Schnabel an einem Knopf auf seinem Umhang zu schaffen machte.

Plötzlich gab der Vogel ein warnendes ,Schäck schäck’ von sich und erhob sich in die Luft.

„Da kommt jemand.“ Brunhilde trat hastig hinter eine Gruppe dichter Büsche und zog Maria mit sich. „Psssssssssst…“

Nach einer ganzen Weile hörten auch sie den Hufschlag: Ein paar Reiter passierten auf ihren Pferden den unbefestigten Weg und hüllten die Landschaft in eine dichte Wolke aus Sand und Staub. Erst als es wieder ruhig war, kehrte Elsa zurück.

„Wo sollen wir nun hingehen?“ Mutter und Tochter sahen sich ratlos an. „Wir haben weder Besitz noch Verwandte in der Nähe. Es sei denn, wir schließen uns dem fahrenden Volk an, ich bin ja bei ihnen aufgewachsen. Wenn ich nur wüsste, wo sie jetzt sind’’, überlegte Brunhilde halblaut. Ihre Herkunft war auch ein Grund, weshalb man sie nie anerkannt hatte in der Stadt, in die sie ihrem Mann damals gefolgt war.

Elsa erhob sich mit einem schrillen Schrei in die Luft und flog davon.

„Was hat sie denn nun schon wieder?“ Aufgeregt hielten die zwei Ausschau. Drohte erneut Gefahr? Doch es war nichts zu sehen, und so setzten sie ihren Weg fort und entfernten sich immer weiter von der Stadt.

„Schau, da ist Elsa ja wieder, und sie trägt etwas im Schnabel“, sagte die Mutter. Die Elster setzte zum Landen an und ließ einen Gegenstand auf den Sandweg fallen. Eine goldene Kette mit einem Medaillon. Brunhilde hob ihn auf und erstarrte.

„Die Kette meiner Großmutter, der Anhänger mit der Mondsichel! Das fahrende Volk muss ganz in der Nähe sein! Dort müssen wir hin, dann sind wir in Sicherheit. Elsa, wo hast du die Kette gefunden? Führe uns …“ Und der Vogel breitete langsam seine Flügel aus und stieg in die Luft.

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Mystica Venezia




Eine verschwundene Braut, ein Sensenmann als Gondoliere, eine blinde Malerin, ein seltsames Zeichen an einer Mauer und ein geheimnisvoller Orden, Guido hat sich seine Hochzeitsreise nach Venedig dann doch etwas anders vorgestellt. Verzweifelt macht er sich gemeinsam mit seiner Schwägerin Ana Karina in den Wirren des Karnevals, der durch die engen Gassen der Lagunenstadt tobt, auf die fast aussichtslose Suche nach Christina Maria und stößt dabei auf eine uralte Legende.

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3903056701


Leseprobe aus dem Buch

Der Wagen wankte und schaukelte auf den aufgeweichten Wegen dahin. Einmal kamen sie an ein paar ärmlichen Häusern vorbei, die den Titel Haus eigentlich kaum verdienten. Dann endlich eine Gaststätte, Giuseppe ließ den Kutscher anhalten. Die Pferde mussten dringend versorgt werden. Doch es schien niemand hier zu sein. Nichts regte sich, und die Tür war nur angelehnt. Er ging vorsichtig auf das Gasthaus zu und bedeutete Christina Maria, vorsichtshalber im Wagen zu bleiben. Der Regen hatte zwar ein wenig nachgelassen, doch es gab noch einen anderen Grund dafür.

An der Tür befanden sich keinerlei Zeichen für eine Seuche. Doch Vorsicht war geboten in diesen finsteren Zeiten. Als niemand auf sein wiederholtes Klopfen reagierte, stieß der Venezianer die kunstvoll geschnitzte Holztür vollends auf und trat in einen großen düsteren Raum, der mit einfachen grob behauenen Tischen und Schemeln ausgestattet war. Die Kerzen in den Halterungen waren niedergebrannt, und durch die kleinen Fenster fiel nur spärliches Licht. Auch hier war alles wie ausgestorben.

Er bog nach links ab. In der Küche mit der primitiven, rußgeschwärzten Kochstelle stieg ihm ein seltsam verdorbener Geruch in die Nase, säuerlich und penetrant. Über der Kochstelle hing ein riesiger Kessel, dort war die Quelle des Gestanks. Angewidert spähte Giuseppe hinein. Etwas Undefinierbares schwamm darin, möglicherweise war das mal eine Erbsensuppe gewesen. Ein Quieken in der Ecke ließ ihn schaudern. Ratten! Unzählige! Wenn es hier einmal etwas Essbares gegeben hatte, so war es inzwischen längst von den Nagetieren vertilgt worden. Jetzt wurde eine von ihnen aufmerksam und hob witternd den schlanken Kopf.

Giuseppe verließ die Küche fluchtartig. Zweifelnd schaute er die Stiege an, die ins obere Stockwerk führte. Was war mit den Besitzern geschehen? Waren sie geflohen? Oder gar ausgeraubt und ermordet? Es gab nirgends Spuren von Gewalt. Oder …? Er wollte den Gedanken lieber nicht zu Ende bringen. Er musste das Gasthaus so schnell wie möglich verlassen.

Da ertönte ein schriller Schrei. Julietta! Giuseppe handelte, es war keine Zeit mehr, zu überlegen. Warum auch immer sie ihm gefolgt war, das spielte nun keine Rolle mehr. Er hetzte durch den Saal und einen langen schmalen Korridor entlang, von dem verschiedene Zimmer abgingen. Würgend presste er sich ein Tuch vor den Mund. Bestialischer Gestank schlug ihm plötzlich entgegen. In einem offenen Türrahmen sah er zunächst Christina Maria, sie lehnte sich schwankend gegen das Holz. Und dann bot sich ihm ein Anblick, den er nie im Leben vergessen würde.

Bei den beiden Leichen in dem Kastenbett hatte bereits der Verwesungszustand eingesetzt. Dennoch konnte man an den schwarz- bläulich verfärbten Fingern und der Beule am Hals des alten Mannes noch deutlich die Spuren der Seuche erkennen. Im Tod hatte das Wirtsehepaar sich mit letzter Kraft eng umklammert, und auch die Fingernägel der Frau waren schwarz. Fliegen schwirrten um die Toten, und der Raum war von einem Brummen erfüllt. Die Duca musste die zuvor verschlossene Tür geöffnet haben, nur so war zu erklären, dass es zwar jede Menge Fliegen im Zimmer gab, aber keine einzige Ratte. Doch das war jetzt nur noch eine Frage der Zeit.

Entschlossen packte Giuseppe die leichenblasse Frau am Arm und zog sie mit sich.

„Lauf”, schrie er. Als sie den Korridor kaum hinter sich hatten, hörten sie das Trippeln vieler kleiner Füße. Sie kamen. Viele von ihnen mit letzter Kraft, auch sie waren infiziert, Opfer und zugleich Träger. Giuseppe aber meinte nur:

„Gut, dass wir hier kein Essen gefunden und angerührt haben. Durch verdorbene Nahrung und schlechte Luft überträgt sich der schwarze Tod, hab ich gehört. Hast du auch nicht zu tief geatmet dort im Haus?”, besorgt sah er sie an.

Christina taumelte ins Freie und schüttelte den Kopf: „Giuseppe, die Ratten …” Sie keuchte, hatte das Gefühl, sich übergeben zu müssen.

„Was ist denn mit den Ratten? Sie sind allgegenwärtig.” Er sah sie erstaunt an.

„Nein, sie sind die Wirte, sie übertragen die infizierten Flöhe und damit den schwarzen Tod.” Ihre Stimme klang fremd in ihren eigenen Ohren, und an seinem fassungslosen Gesichtsausdruck sah sie, dass er sie nicht verstand. Wohl die Worte, aber nicht den Sinn dahinter.

Sanft führte er sie zur Kutsche.

„Es ist gut, ist ja schon gut, meine Duca. Dir wird nichts geschehen. Unser Glück, dass die Suppe verdorben war und die Ratten alles andere gefressen haben. Ganz ruhig, alles wird gut.” Er sprach zu ihr wie zu einem kleinen Kind, während Angst und Zweifel in ihr nagten und sie fast in den Wahnsinn trieben.

Er saß neben ihr und sah ihr ernst in die Augen.

„Warum bist du mir gefolgt?”

„Ich hatte solche Angst, dass dir etwas zustößt. Als der Kutscher kurz austreten war, bin ich ins Haus gelaufen. Und dann habe ich die Tür geöffnet.“ Schluchzend sank sie in sich zusammen.

„Und jetzt werden wir alle sterben.”

Er legte den Arm um ihre Schulter und zog sie an sich.

„Das werden wir nicht, Duca! Es gibt immer welche, die überleben. Wir müssen nur fest daran glauben.” Sein Blick war finster.

„Ich bin dem großen Sterben schon einmal begegnet. Vier Jahre ist es jetzt her, dass der schwarze Tod über Dessau kam und mir Vater und Bruder nahm. Wir haben unser Soll bezahlt, Julietta, unsere Zeche an Gefatter Tod. Unsere Sünden sind gesühnt. Noch einmal gebe ich nicht her, was mir die Welt bedeutet.”

Christina Maria lächelte in einer Art Erschöpfungszustand, der sie sanft in den Schlaf hinabgleiten ließ. Giuseppe war da, er würde sie beschützen, und wenn der Tod sie holen würde, dann nur gemeinsam.

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©byChristine Erdic



Donnerstag, 13. Juni 2024

Das Künstlerviertel Montmartre

 

Montmartre, auch das Pariser Künstlerviertel genannt, ist ein Platz voller verborgener Schätze. Im 18. Arrondissement von Paris gelegen, zeichnet sich Montmartre durch eine Symbiose aus historischem Charme und künstlerischem Flair aus.




Es besticht durch seine malerischen Gassen und Straßen und war einst Heimat bekannter Künstler und inspirierender Werke. 

Der Hügel im Norden von Paris ist mit seiner imposanten weißen Basilika Sacré-Coeur, die zwischen 1875 und 1914 erbaut wurde, das am höchsten gelegene Stadtviertel der Hauptstadt.




Man hat von hier einen tollen Blick über die Stadt

Baron Haussmann, der für die Stadtmodernisierung von Paris im 19. Jahrhundert verantwortlich war, verschonte das damalige Dorf glücklicherweise. Das erklärt den romantischen Charakter des Quartiers mit seinen kleinen Häusern und verwinkelten Gassen, Bars, Cafes, Bistros, Restaurants, urigen kleinen Lädchen und Patisserien.








Ca. 200 Meter von der Basilika Sacré Coeur entfernt, liegt der Place du Tertre. Die zwei Highlights vom Montmartre lassen sich gut miteinander  kombinieren. Das ganze Jahr über befinden sich hier zahlreiche Künstler*innen, die ihre Werke ausstellen und verkaufen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Moulin Rouge, das zu den bekanntesten Cabarets der Welt zählt. 




Es befindet sich direkt am Fuße des Montmartre-Hügels. Hinter dem Künstlerplatz liegt das kleine Dali Museum, auch „Espace Dali“ genannt. Es zeigt das ganze Jahr über eine Ausstellung mit über 300 Werken von Salvador Dali und ist somit das größte Dali Museum in Frankreich.




 Das Musée de Montmartre befindet sich in einem der ältesten Häuser des Viertels. Es gewährt einen umfassenden Einblick in die Geschichte Montmartres.

In Montmartre haben schon viele bekannte Künstler gelebt. Vincent van Gogh wohnte von 1886 bis 1888 im kleinen Pariser Stadtteil Montmartre. Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec, ein französischer Maler des Post-Impressionismus im 19. Jahrhundert, wurde insbesondere durch seine Plakate berühmt, die er unter anderem für das Pariser Varieté Moulin Rouge entwarf.

Neben der Kultur sollte aber auch das Kulinarische nicht zu kurz kommen.




Versäumen Sie daher nicht, eines der gediegenen Cafés zu besuchen oder einen Crêpes zu essen. Hier ein paar gute Adressen:

https://www.tripadvisor.com/Restaurants-g187147-zfd20317-zfn7236768-Paris_Ile_de_France-Crepes.html

 



Buchtipp

Das Leben ist ein Arschloch - und ich stecke mittendrin

Christine wächst bis zu ihrem siebten Lebensjahr recht frei in einem Dorf in Niedersachsen auf. Mit dem Umzug in die Stadt muss sie sich völlig neuen Anforderungen stellen. Bei ihren schon etwas betagteren Eltern, die nicht viel von antiautoritärer Erziehung halten, stößt sie mit ihrem Verhalten oft auf Unverständnis und Ablehnung. Konflikte sind vorprogrammiert. Anekdoten aus dem Leben eines eigenwilligen Kindes, ehrlich und humorvoll von der Autorin zu Papier gebracht.

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3748194248

 

Leseprobe aus dem Buch

Abschlussfahrt nach Paris

In der Oberstufe des Gymnasiums gab es noch ein besonderes Bonbon, das uns Appetit auf das Leben da draußen machen sollte: nämlich eine Abschlussfahrt. Wir durften wählen, eine Gruppe sollte nach Paris, die andere nach Wien fahren. Da meine Freundinnen sich alle für Paris eintrugen, entschied auch ich mich dafür.

Der Frühling zeigte sich von seiner besten Seite, und ich war schon so gespannt auf Frankreich. Die wenigsten von uns waren bisher im Ausland gewesen. Meine Urlaubserfahrungen begrenzten sich auf das kleine Städtchen, in dem meine Tante wohnte, Magdeburg in Ostdeutschland, wo ich dreimal meine Cousine besucht hatte, zweimal Braunlage im Harz, meine Verschickungen ins Allgäu und an die Nordsee sowie den Schulausflug nach Koblenz. Dies hier würde aber viel aufregender sein, da war ich mir ganz sicher.

 

Fröhlich zogen wir hinaus in die Welt! Paris war wundervoll mit seinen blaugrauen Dächern, den grünen Parkanlagen und dem Arc de Triomphe - der an einen riesigen Magneten erinnert - mit seinen sternförmig angelegten Straßen. Ich sog Eindrücke und Gerüche gleichermaßen in mich auf.

Schon der altmodische Fahrstuhl im Hotel war ein Erlebnis. Die Tür klemmte - und so konnte es passieren, dass die eben nach oben abgefahrenen Kollegen lachend und hüpfend wieder im Erdgeschoss landeten. Dafür funktionierten die Türen der Metro perfekt. Ein schrilles Signal ertönte, sie schlossen sich, und die Handtasche meiner Freundin fuhr draußen mit, während das arme Mädel verdutzt durch die Scheibe sah und die Henkel krampfhaft festhielt.

Überhaupt: Paris war DAS Erlebnis! Zu meinen absoluten Lieblingsplätzen gehörte der Montmartre mit seiner schmucken Kirche Sacre Coeur. Hier bezogen damals Künstler ihr Quartier. Man konnte ihnen beim Malen oder Zeichnen über die Schulter blicken, und überall standen ihre Werke zum Verkauf. Ein buntes Bild bot sich mir, das ich nie wieder vergessen sollte. Wir hatten Zeit für einen ausgiebigen Bummel im Künstlerviertel. Als Krönung des Tages stand eine Besichtigung von Sacre Coeur auf dem Programm. Ich war nie zuvor in einer katholischen Kirche gewesen, aber mir gefiel die Architektur des weißen Gebäudes mit den schönen Kuppeln außerordentlich gut. Für mich hatten Gebäude schon immer etwas Lebendiges, eine Art Seele. Ich mag zum Beispiel keine düsteren Backsteinbauten, sie bedrücken mich, und ich weiß bis heute nicht warum. Nur die Plastiktauben, die die Menschen dort vor dem Portal der Kirche fliegen ließen, störten uns. Wir fanden sie einfach kitschig und unangemessen.

Das Innere der Kirche war sehr prunkvoll aber irgendwie überladen. Anscheinend wurde grad eine Messe abgehalten. Drei Priester in weißen Gewändern standen vor dem Altar mit dem Rücken zu uns und murmelten etwas, das sich wie Beschwörungsformeln anhörte. Mir wurde mulmig. Was hatte ich hier zu suchen? Mein Blick traf den meiner Freundin, wir verstanden uns auch ohne Worte und jagten durch das Eingangstor ins Freie hinaus, als wären tausend Teufel hinter uns her.

„War das unheimlich“, keuchte ich und schnappte nach Luft.

Draußen warteten wir geduldig auf den Rest unserer Gruppe.

Am Ufer der Seine waren ebenfalls Bilder von Künstlern aufgestellt, und ich erstand auf Kork gemalte Bilder von Sacre Coeur, Notre Dame und dem Eiffelturm. Ich hatte das Geld vom Prospekte verteilen mühselig zusammengespart, damit ich die Fahrt finanzieren konnte und musste auf mein Budget achten. Die anderen bekamen die Reise von ihren Eltern bezahlt und dazu noch ein schönes Taschengeld.

An diesem Tag erhob sich plötzlich ein zerlumpter älterer Mann am Quai und beschimpfte uns auf Französisch. Wir verstanden, dass er uns als Nazis bezeichnete und waren ebenso betroffen wie verwundert. Zu jenen Zeiten hatten wir ja noch gar nicht gelebt! Zudem waren wir sehr aufgeschlossen und hatten alles andere als eine rassistische Einstellung.

Aber ansonsten machten wir in unserem Gastland wirklich nur die besten Erfahrungen mit den Einheimischen.

 

Natürlich gehört zu einem Parisbesuch auch die Besichtigung des berühmten Eiffelturms. Zunächst jedoch ging es in ein Café ganz in der Nähe dieser Sehenswürdigkeit. Wir unterhielten uns in Grüppchen und entspannten bei einem Café au lait, einem Kaffee mit heißer Milch. Plötzlich fiel mir ein, dass ich bisher noch nirgendwo Crêpes gesehen hatte. Ich liebte diese hauchdünnen Eierkuchen, vor allem mit Käse und Schinken als Füllung, wie ich sie vom Rummelplatz in Deutschland kannte. Und von hier kamen sie schließlich her. In Paris gewesen zu sein und keine Crêpes gegessen zu haben, das ging ja gar nicht!

„Leute, ich habe Appetit auf Crêpes! Wer kommt mit?“

Keiner wollte, die waren alle viel zu träge. Also marschierte ich alleine los. Die anderen versprachen, auf mich zu warten. Eine Straße nach der anderen klapperte ich ab. Nichts. Das gabs doch gar nicht! Dafür kam ich immer wieder am Eiffelturm raus. Welch hässliches Metallgerüst! Das Schlimmste aber war, dass ich mich nicht mehr an den Namen des Cafés erinnern konnte. Nachdem ich das fünfte Mal am Eiffelturm landete und bereits alle Hoffnung aufgegeben hatte, fanden mich meine Schulkameraden. Sie hatten sich besorgt auf die Suche gemacht, da ich nun ja seit geraumer Zeit verschwunden war. Einer meinte, ich sei vielleicht schon vorausgegangen, denn es stand ja noch eine Besichtigung des Turms an. Und so entdeckten sie mich schließlich. Der Eiffelturm hatte irgendwas Befremdliches an sich, das nur ich zu spüren schien. Die anderen fanden ihn großartig. Wir fuhren zunächst mit dem Fahrstuhl hinauf, aber das letzte Stück mussten wir laufen. Die Aussicht von hier oben war einfach überwältigend. Da unten lag uns ganz Paris wie eine Diva in all ihrer Schönheit zu Füßen! Der Aufstieg hatte sich wirklich gelohnt.

 

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©byChristine Erdic

 


Samstag, 20. April 2024

Warum zu Hause bleiben? Die Welt wartet auf Sie!

 

Tolle Reisemöglichkeiten für Senioren




Für alle, die gerne genießen, aber Stress vermeiden wollen: Wie wäre es mit einer Kreuzfahrt? Zum Beispiel auf der Mosel von Passau bis Trier. Oder lieber eine Golfkreuzfahrt auf dem Rhein über Basel und Amsterdam?




Hier finden Sie tolle Angebote:

https://www.tourradar.com/de/pa/senioren-v-fluss-mosel

 

Wer lieber mit dem Bus reist, ist bei Grimm-Reisen gut aufgehoben. Die Reisegesellschaft bietet Haustürabholung inklusive Kofferservice, Reisebegleitung sowie Reisen im FIRST CLASS-Fernreisebus zum Beispiel nach Kroatien, Holland, Malta, Apulien, Rügen, in die Schweiz und vieles mehr.

Auch organisierte Flugreisen in der Gruppe und Kreuzfahrten bietet der Veranstalter an

Reinschauen lohnt sich!




https://www.grimm-reisen.de/

 

 

Und für alle, die nostalgische Zugfahrten bevorzugen:

Was spricht gegen eine Eisenbahnromantik Reise mit dem Reisebus?

Dänemark oder doch lieber England, Ostfriesland oder Polen?

Sie haben übrigens die Wahl zwischen Garten- und Film und Literaturreisen. Die Harry-Potter-Reisen nach London sind für 2024 leider aktuell ausgebucht. 2025 ist in Planung. Begeben Sie sich mit anderen Harry Potter Fans zu den Drehorten der Filme auf den Spuren von Harry Potter nach London.

Nur sehr wenige Dampf- und Museumsbahnstrecken liegen noch an öffentlichen Eisenbahnstrecken. Der Nahverkehr vor Ort ist meist spärlich ausgebaut oder rückgebaut. Sie nutzen daher bei unseren Eisenbahnreisen unseren Reisebus als Limousine für schnelle und unkomplizierte Transfers zwischen den Dampflok Fahrten die Sie auf Ihren Eisenbahnromantik Reisen mit uns besuchen werden. Bei einem Wechsel der Hotels auf Ihrer Eisenbahnromantik Reise brauchen Sie sich auch nicht um Ihr Reisegepäck kümmern. Es ist sicher im Eisenbahn Romantik Reisebus verstaut und Sie können den Tag ohne Gepäcktragen genießen.

Für Ihren Luxus auf Ihren Eisenbahnreisen mit uns haben wir aus unserem Reisebus einige Sitzreihen entfernt. Damit haben Sie genügend Platz, um gemütlich mit ausgestreckten Beinen diese Eisenbahnromantik Reise genießen zu können. Unser Bordservice wird Sie während Ihren Eisenbahn Romantik Reisen mit uns mit warmen und kalten Getränken sowie kleinen leckeren Snacks verwöhnen. Aller zwei bis zweieinhalb Stunden legen wir bei den Rundreisen einen kleinen Gesundheitsstopp ein, so dass Sie sich auf den Sanitäranlagen erfrischen können.




https://www.maertens-reisen.com/eisenbahn-romantik-reisen/

 

Sehnsucht nach der großen weiten Welt?

Azoren, Namibia, Marokko oder Mexiko?

Hier gibt es Reisen und Tipps für Senioren:




https://natuerlich.reisen/fernreisen-fuer-senioren-tipps-tricks-destinationen/

 

 



Buchtipp (nicht nur) für Senioren:

Oma Frieda rockt das Altersheim: Du bist so alt, wie Du Dich fühlst!




Einfach abgeschoben? Mit 76 Jahren wird Oma Frieda, nachdem sie in ihrer Küche einen Schwelbrand auslöste, von Tochter Iris kurzerhand ins Altersheim verfrachtet. Nur Enkelsohn Alex scheint noch zu ihr zu halten. Die alte Dame, die sich zuerst gar nicht so recht einleben mag, bringt durch ihre außergewöhnlichen Ideen bald frischen Wind ins Seniorenheim. Sie beweist, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Dabei geht es allerdings nicht ohne Pannen und Turbulenzen ab. Eine Geschichte, die Leser aller Altersgruppen zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken bringen soll.

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3758329876

 

Leseprobe aus dem Buch

„Frieda, wir wussten nicht so recht, womit wir dir eine Freude machen können. Also haben wir mit Alexander beraten und alle zusammengelegt.“

Feierlich überreichte Tobias ihr einen Umschlag.

„Oh, ein Gutschein für eine Schifffahrt auf dem Rhein mit anschließendem Wellnesswochenende! Wie schön! Aber für zwei Personen?“

„Du wirst schon eine Begleitung finden“, schmunzelte Miriam.

„Mich!“, schrie Hannah begeistert.

„Ich habe auch noch ein Geschenk für dich!“

Ungestüm sprang sie vom Tisch auf und riss dabei das Milchkännchen um. Eine weiße Flut ergoss sich über Omas dunkelblauen Rock.

„Hannah“, rügte Miriam und fummelte mit einer Serviette rum.

Lachend wehrte Frieda ab. „Nicht so schlimm. Flecken verfolgten mich mein Leben lang, und warum sollte es im neuen Jahr anders sein!“

„Wie alt bist du denn geworden?“

„77!“

„Mit 77 Jahren, da fängt das Leben an, mit 77 Jahren, da hat man Spaß daran!“, sang Kurt leicht abgewandelt mit voller Stimme.

Hannah kam mit einem kleinen Stubenwagen, in dem sonst ihr Teddy lag.

„Meint ihr, Alex passt da rein?“

„Ich, niemals!“, entrüstete sich Alexander.

„Moment noch!“ Das Kind verschwand kichernd samt Wagen. Geraume Zeit später kehrte sie zurück, einen spitzen Hexenhut auf dem Kopf und …“

„Mein bestes Kleid!“, entsetzte sich ihre Mutter.

Das gute Stück war mit Hilfe eines Seidentuchs um die Hüfte gebunden und schleifte hinter Hannah, die den Stubenwagen durch die Küche schob, her.

„Meine Damen und Herren, dreimal schwarzer Kater! Oma Frieda, hier kommt dein Geburtstagsgeschenk! AbraKadabra.“

Vorsichtig lüftete sie die Decke - und ein leises Mäh ertönte. Entgeistert sahen die Zuschauer auf das kleine Ziegenböckchen, das vorwitzig seinen Kopf aus dem Wagen streckte.

„Darf ich vorstellen: Alex!“

„Ich bekomme eine Ziege zum Geburtstag?“

Friedas Bauch begann zu wackeln, ihr Gesicht verzog sich - und dann platzte sie fast vor Lachen. Die anderen stimmten fröhlich ein.

„Nein, nein, der andere Alex geht doch schon weg! Diesen behalte ich, aber du kannst ihn immer besuchen kommen. Hat dir meine Überraschung gefallen?“

„Ja, sehr“, brachte Oma Frieda heraus und wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht.

„Ich habe alles auf Video“, sagte Tobias vergnügt und hieb sich auf die Schenkel. Welch eine Gaudi!

„Gut so! Ich muss mich nämlich wieder umziehen und das Böckchen zurück in den Stall bugsieren“, erklärte das Kind. „Paul und ich wollen meinen neuen Schlitten ausprobieren, jetzt, da endlich Schnee liegt!“

„Wer ist Paul?“, fragte Alex irritiert.

Miriam grinste. „Hannahs neuer Schwarm. neun Jahre jung, rothaarig mit vielen Sommersprossen im Gesicht und noch mehr Flausen im Kopf. Er wohnt gleich nebenan.“

„Und ich habe auch noch etwas für dich“, raunte Kurt Frieda zu. „Wenn du ausgelacht hast, folge mir bitte unauffällig vor die Tür.“

Draußen zog er ein kleines Schächtelchen hervor.

Vorsichtig klappte er es auf.

„Nur ein einfacher Verlobungs- oder Freundschaftsring“, sagte er unsicher. „Die Entscheidung liegt bei dir. Aber es würde mich freuen, wenn wir das weitere Stück unseres Weges gemeinsam gingen.“

Zitterte er vor Kälte oder war es die innere Anspannung?

Sanft schwebten dicke Flocken zu Boden und tauchten die Landschaft in ein zauberhaftes Weiß. Der Sturm hatte sich gelegt, und auch Frieda wurde ganz ruhig.

Sie schaute lange sinnend in die Ferne, und dann richtete sie ihren Blick auf den Silberring mit dem kleinen blauen Stein.

„Es wäre mir eine Ehre, meinen Weg noch recht lange mit dir zu gehen, Kurt Meier.“ Hand in Hand standen sie da, sahen nicht, wie Hannah mit dem Schlitten aus dem Schuppen kam und auch nicht den kleinen Jungen mit der dunkelgrünen Bommelmütze, der schon ungeduldig am Tor auf seine Spielgefährtin wartete. Es war einer jener seltenen Momente, in denen der Augenblick zur Ewigkeit wird. Oder war es umgekehrt?

Und der Schnee rieselte weiter und bedeckte alles, was unvollkommen oder hässlich war, mit einer Decke, die aussah wie Zuckerwatte.

„Lass uns reingehen und vom Fenster aus zusehen, wie die Kinder den Hügel hinabfahren“, sagte Frieda. Kurt nickte und streifte ihr den Ring über den Finger.

„Drinnen warten der Kamin und vielleicht ein Gläschen Glühwein …“

„Oder auch zwei“, lachte Frieda. „Und liebe Menschen, denen wir eine frohe Botschaft zu verkünden haben.“

 

Sechs Monate später

 

„Frieda, kommst du bitte mal? Ich finde meine Badehose nicht! Und ohne die kann ich doch nicht fliegen!“

Die Frau in dem bunten Sommerkleid drehte sich um.

„Kurt, die liegt in der zweiten Schublade links. Warte, ich mache das schon!“

Dann wandte sie sich wieder der großen Voliere zu, in der ein farbenprächtiger Ara und ein kleinerer Graupapagei einträchtig nebeneinander auf einem Ast saßen.

„Lora und Pedro, ich vermisse euch jetzt schon! Aber Tobias wird euch gut verpflegen, und vier Wochen sind schnell vorbei.“

„Ooomaaa Friiiiedaa“, schrie der bunte Papagei ausgelassen. Pedro legte den Kopf schief und wechselte von einem Bein auf das andere.

„Oma Frieda!“, ertönte prompt ein Echo von weit her.

„Also, ich muss eilen! Benehmt euch, macht mir keine Schande!“

Leichtfüßig verließ Frieda das Tropenhaus mit den Orchideen, Strelitzien und Bananenbäumen. Schon bald würde sie noch weitaus prächtigere Exemplare zu sehen bekommen.

„Wo bleibst du denn? Gleich kommt das Taxi. Wir verpassen bestimmt den Flieger!“

Hannah zappelte vor Aufregung auf dem Flur hin und her.

„Ich habe noch genau dreizehn Minuten!“, entgegnete Frieda mit einem schnellen Blick auf die Uhr und eilte ins Schlafzimmer. Dort hatte Kurt den gesamten Inhalt der Schublade auf dem Boden verteilt und suchte verzweifelt.

„Da ist sie doch!“

Mit einem Griff schnappte sie die Badehose, die schon wartend auf dem Stuhl lag, stopfte sie in den Koffer und zog den Reißverschluss zu.

„So!“

Dann lief sie hinüber ins Bad, band das noch immer kräftige graue Haar zu einem Pferdeschwanz und betrachtete sich dabei aufmerksam im Spiegel. Sie war stolz auf jede einzelne Falte, die ihr das Leben ins Gesicht graviert hatte und stand bedingungslos zu ihrem Alter. Vor zwei Tagen weilten sie und Kurt noch vor dem Traualtar, doch nun war es endlich so weit: Heute ging es in die Flitterwochen nach Brasilien. Hannah durfte mit und freute sich mindestens so sehr wie sie selbst auf ein Wiedersehen mit Alex. Noch dazu flog das Kind zum ersten Mal - und dann gleich über den großen Teich.

Vier Wochen Tropen lagen vor ihnen, die Copacabana, der Amazonas …

„Frieda!“

Draußen hupte das Taxi.

„Ich komme!“

Die Koffer waren schon verstaut. Eine letzte Umarmung und dann …

„Guten Flug und gebt Bescheid, wenn ihr angekommen seid!“

Miriam und Tobias winkten noch, als das Taxi schon längst um die Ecke gebogen war.

Hannah lehnte sich mit glänzenden Augen in ihren Sitz zurück.

„Puh, das hätten wir! Brasilien, wir kommen!“

Bestimmt wartete dort ein ganz tolles Abenteuer auf sie! Mit Oma Frieda an ihrer Seite konnte das ja gar nicht anders sein.





 

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©byChristine Erdic